Flores – Gebirgsketten mit tropischem Regenwald auf den Bergflanken, tiefgrüne Reisfelder in den Tälern und hin und wieder kleine Dörfchen. Einen Vorgeschmack auf diese Landschaft hatten wir schon vom Flieger und vom Boot bekommen, jetzt wollten wir per Motorrad selber mittenrein. Aber der Trip sollte mehr werden als nur ein Landschaftserlebnis. Als wir am morgen auf die „Trans-Flores-Highway“ starteten hatten wir keine Ahnung das wir das Moped in einem Dorf am Ende einer recht katastrophalen „Straße“ abstellen würden, um dann zu Fuß zu einem Kratersee aufzusteigen und dann dort oben in dem Dorf bei einer Familie die Nacht verbringen würden.A Homestay – the backpacker code for crashing on someones doorstep.
Die erste Heraussforderung war jedoch erst mal ein Moped zu bekommen. Zwar versichterten uns die Locals, es wäre „no problem“ ein motorbike zu mieten, allerdings gab es keinen Motorrad Verleih als solches sondern am Ende hatte der Veranstalter der Rinca-Tour vom Vortrag einen Freund, der gewillt war für ein paar Tage auf sein Motorrad zu verzichten. So standen wir dann mit dem Moped eines Jugendlichen da, der von Motorrädern offensichtlich noch weniger Ahnung hatte als ich aber der trotzdem versucht hatte sein Gefährt aufzumotzen. Sprich die wesentlichen Bestandteile (wie Motor) in katastrophalem Zustand aber dafür poliert und geputzt mit der Zahnbürste. Damit starteten wir dann auf den Trans-Flores-Highway, eine schmale aber aspahltierte Straße die sich in engen, steilen Serpentinen einen Berg nach den andern hochkämpft um dann auf de anderen Seite ebenso steil und unübersichtlich wieder in die Tiefe zu führen. In mancher Kurve musste ich hinten mitsamt Rucksack schnell abspringen oder Sebastian musste die Füße von den Rasten nehmen und anschieben um zu verhindern dass wir rückwärts wieder runterrollten. Das lag zum einen bestimmt am Zustand des Motors, zum anderen aber auch daran, dass die Straßen gebaut sind für Locals, die dann einfach mit einer halsbrecherischen Geschwindig da hochheizen so dass sie in den Kurven noch genug Schwung haben um hochzukommen.
Aber für dieses gelegentliche Abspringen und Schieben wurden wir durch die Landschaft durch die wir fuhren mehr als entschädigt. Tropischer Regenwald, Reisfelder, kleine Dörfer mit Kindern die schreiend und winkend rausgerannt kommen als wir vorbeifuhren. Und immer wieder wurde das erklimmen einer Bergflanke mit einer gigantischen Aussicht auf Berge, Reisfelder und im Hintergrund das Meer belohnt.
Es kommen wohl nicht viele Touris auf die verrückte Idee diese Strecke mit dem Moped zu fahren, und so waren wir eine rechte Local-Attraktion und hatten schon bald „Geleitschutz“. 'Ein paar Jungs auf Mopeds die wohl eh mehr oder weniger in die gleiche Richtung wollten und die uns ein Stück begleiteten, uns anboten den Rucksack für uns zu fahren, geduldig warteten wenn wir foto-pause machten, hin und wieder versuchten ein kleines Gespräch mit uns anzufangen aber es ansonsten einfach genossen vorneweg mit uns hinterher durch das nächste Dorf zu fahren und somit bestimt das Gesprächsthema Nummer eins für die nächsten paar Tage dort zu werden.
Am Straßenrand waren auch immer wieder kleine Stände aufgebaut, Wasser, Benzin in Plastikflaschen und vor allem immer wieder frische Rambutan, Ananas oder andere tropische Früchte. Meist wurde auf einer Strecke von ein paar hundert Metern immer wieder die selbe Frucht angeboten, und wenn man genau hinschaute konnte man im Hintergrund auch die entsprechenden Bäume dazu sehen. Frischer wird’s einfach nicht mehr.
Tatsächlich hatten wir es zum ersten Mal seitdem wir hier in Südostasien unterwegs sind geschafft, eine anständige Karte der Region aufzutreiben. Allerdings war die Karte ihrer Zeit etwas vorraus, z.B. hatte das auf unsererm Weg eingezeichnete Trekking Information Center lediglich eine Tour im Angebot und sogut wie keine Ahnung über irgendwas war mehr als 3 km weiter weg war. Aber sie waren super nett und total begeistert das tatsächlich mal Touris vorbeischauenn (auch wenn wir ihre Tour gar nicht machen wollten) und wir haben umsonst Kaffee bekommen. Des weiteren waren sie der Meinung, das der Kratersee der auf unserer Karte etwa 20 km abseits der Hauptstraße eingezeichnet zur Zeit wegen Regenzeit „not possible“ war. Das war nur ein Grund mehr für uns in Bambor die Hauptstraße zu verlassen und unser Glück zu versuchen.
Die Straße schien zunächst in recht gutem Zustand zu sein, größtenteils asphaltiert mit einer überschaubaren Anzahl Schlaglöcher und kleinen Flüssen die den Hang hinunter und über den Weg flossen. Hier durfte Sebastian auch zum ersten Mal seine Motorrad-Reparatur-Künste unter Beweis stellen, allerdings nicht an unserem eigenen Gefährt sondern als uns ein Einheimischer mit ausgeschaltetem Motor entgegen gerollt kam dem die Kette rausgesprungen war. Wenige km später verschlechtere sich die Straße allerdings rapide und war eher als ein einziges großes Schlagloch mit gelegentlichen Asphaltflecken zu beschreiben. Das Ganze war im Prinzip eine Schlammpiste mit kokosnussgroßen Steinen darin verteilt – eine befestigte Straße a la Flores. Als wir nach gut 10 km in Werang ankamen, dem einzigen Dorf mit Namen auf der Strecke, beschlossen wir das Moped stehen zu lassen und zu Fuß weiterzugehen.
Schnell fanden sich zwei Locals, Rolis und Adrian, die „Familie“ in Werang und direkt am Kratersee oben hatten, so dass wir das Moped und ein Teil unseres Gepäck in Werang abstellen konnten und sie uns anboten, mit uns hochzulaufen und die Nacht in dem kleinem Dorf Nunang direkt am See (Sano Nggoang) bei Rolis' Onkel zu verbringen. Die Strecke hoch war angenehm zu laufen (aber wäre per Moped katastrophal gewesen) und der Kratersee, den wir nach knapp zwei Stunden erreichten war die Mühe definitiv wert. Unterwegs trafen wir auf einen 'Local Bus', diese Gefährte schrecken wirklich vor keiner Straße zurück... Ansonsten trafen wir recht wenige Menschen, ein Paar Betelnuss-kauende alte Frauen die völlig entgeistert nach unseren Händen und unserem Gesicht langten, um die helle Haut zu berühren und Kids von den paar Häusern am Wegesrand, die uns dann immer gleich ein ganzes Stück begleiteten. Ein paar Kilometer im Durchmesser, die Ufer mit dichtem Wald bewachsen mit nur einer handvoll Dörfer am Ufer verteilt war dieser See dann der Inbegriff der Idylle. Das jedoch dieser Vulkan nicht tief schläft, erkennt man nicht nur am Schwefelgeruch des Wassers, sondern auch an der kochend heißen Quelle an der wir vorbei kamen.
Die Familie von Rolis' Onkel war zwar äußerst überrascht über unser plötzliches Auftauchen (die Großmutter schaute uns an als wären wir Geister als wir durch die Tür stiegen, wollte dann aber gar nicht mehr aufhören unsere Hände zu schütteln und uns auf Indonesisch zuzuschwallen) aber stellte sich dann als extrem liebenswerte und gastfreundliche Familie heraus. Das Holz-Bast-Haus, im traditionellen Stil auf Stelzen gebaut, war überraschend groß und bis zum Ende haben wir nicht wirklich herausgefunden wieviel Menschen darin lebten, denn ständig gingen irgendwelche Verwandten und Bekannten ein und aus, vor allem als sich unsere Anwesenheit im Dorf herumgesprochen hätten. Bereits Minuten nach unsere Ankunft war der Raum voll mit etwa 20 Kindern, die uns aus sicherer Entfernung beobachteten aber sich dann begeistert auf die Fotos aus Europa stürzten die wir auspackten. Nach einiger Zeit kam eine Frau in den Raum und schickte die Kinder erbost nach draußen, wir erfuhren dass sich soeben die komplette Primary School der umliegenden Dörfer vor uns versammelt hatte, und jetzt wurden die Kids wieder zurück in die Schule geschickt.
Auch der restliche Abend war sehr angenehm, nachdem die Konversation am Anfang zwar aufgrund von Sprachschwierigkeiten recht stockend verlief, lockerte sich die Atmosphäre spätestens als wir unser Indonesisch – Sprachbüchlein auspackten und Sebastian den Kids das Bankräuber-Poliztei-Geschicklichkeits-Fingerspiel zeigte, was dazu führte dass am Ende sich die ganze Familie die Finger verrenkte. Später zauberte irgendwer noch eine Gitarre dabei, und abwechselnd spielten Sebastian und Adrian einen Mix aus englischen, deutschen und indonesischen Liedern, zwischendurch erklang auch immer wieder ein Lied in der „Local Language“, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. „Country Roads“ war zwar das einzige Lied wo wirklich alle mitsingen konnten, aber die Atmosphäre war die ganze Zeit super. Als danach noch ein fantastisches Abendessen auftauchte, wo praktisch alle Zutaten (inclusiver frish zerstampfter Kaffeebohnen) aus dem Garten stammten, war der Abend perfekt. Und obwohl sich die Familie ständig für die Unanehmlichkeiten entschuldigte, und dafür, das es in dem Dorf kein Hotel und kein Restaurant gäbe, habe ich schon lange nicht so gut geschlafen wie auf den gefüllten Bastmatrazen auf den Holzdielen.
Am nächsten Morgen kam noch mal das halbe Dorf zusammen um uns zu verabschieden, und dann gings über Werang (wo wir bei Adrians Bruder nochmal hervorragenden Kaffee bekamen bevor wir uns von den beiden verabschiedeten) und Bambor mit kleinem Abstecher nach Tado um Reisfelder zu bewundern wieder zurück Richtung Labuanbajo. Unterwegs bereitete das Moped uns noch einige Sorgen, weil es anfing sehr bedenkliche Geräusche zu machen, aber als wir es frisch geputzt zurück nach Labuanbajo brachten war der Besitzer offensichtlich einfach nur sehr erleichtert es in einem Stück zurück bekommen zu haben.
P.S.: Geldsituation in Indonesien
„Stell dir vor, der Geldautomat in Deutschland würde nur 5 Euro Scheine rausgeben“ (einen dicken Packen 50 000 in der Hand haltend)
„Stell dir vor, die wären absolut nutzlos, weil das ganze Dorf zusammenlegen müsste um dir Wechselgeld rauszugeben wenn du versuchst damit zu bezahlen!“
P.P.S.: Reiseplanung à la Südostasien
„Der Punkt ist – ich geh jetzt schlafen.“
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