Sonntag, 11. Januar 2009

Bolaven Plateau by motorbike




Tag 1 (5.1.09), Pakse nach Tad Lo

Nach einer etwas längeren Diskussion mit der Vermieter darüber, ob ein Tag nun 24 oder 12 Stunden hat, starteten wir gegen 9 Uhr auf einem praktisch neuem Honda Moped aus Pakse. Anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten zum Trotz (wenn man früh morgens Richtung Süden fährt sollte die Sonne doch auf der linken Seite sein, oder ?!?) erreichten wir, ohne uns nennenswert zu verfahren, die Straße nach Salavan. Das mag in Anbetracht der Tatsache, das es hier nicht so furchtbar viele Straßen gibt, vor allem nicht viele geteerte, recht einfach klingen, aber wenn man bedenkt das wir lediglich ein handgezeichnete Karte hatten auftreiben können und die englische Schreibweise der lao Lautsprache mit eigener lao Schrift extrem willkürlich und nie einheitlich ist , ist es eher ein kleines Wunder. (Komplett verschieden aussehende Ortsnamen können durchaus den gleichen Ort beschreiben wenn sie englisch oder französisch ausgesprochen irgendwie ähnlich klingen. Andersrum waren auf unserer Karte mehrere Orte mit gleichem Namen verzeichnet.)

Gegen Mittag kamen wir an Tat Phaxuam vorbei (Tat heißt Wasserfall auf Lao), was sich als ziehmlicher Glückstreffer herausstellte. Neben einem wirklich schönen Wasserfall hatte hier nämlich ein gewisser Mister Vreng, der übrigens einige Jahre in Deutschland gelebt hatte, ein Ecotourismus-Resort aufgezogen. Die Preise im Restaurant waren recht überteuert, und das ganze Gelände war etwas zu druchgestylt um authentisch zu wirken (sie haben sogar den Wasserfall dafür modifiziert), aber wirklich sehenswert war das „Ethnic Museum“, wo Gegenstände aus dem Alltagsleben der hier auf dem Plateau lebenden ethnischen Minderheuten ausgestellt wurden. Dazu gehörte auch ein kleines Dorf, in dem Vertreter der verschiedenen Ethnien leben. Der Junge, der uns dort herumführte, konnte auch einiges darüber erzählen.

Zum Beispiel sahen wir ein Haus, wo im ersten Stock ein etwa 30x30 cm großes Loch in der Wand eingelassen war. Wir erfuhren, das es pro Tochter im Haushalt ein solches Loch gäbe, und das unverheiratete Töchter nur durch dieses Loch Kontakt mit Verehrern haben durften, z.B. also Geschenk in Empfang nehmen konnten. Direkt Gegenüber war eine Hütte auf hohen Stelzen gebaut, hier verbringen Braut und Bräutigam traditionell die Hochzeitsnacht. Auch zeigte uns einer der Dorfbewohner, wie die Mutter herausfindet ob der potentielle Bräutigam den clever genug ist, um für ihre Tochter eine gute Partie zu sein: Ein Knobelspiel, bei dem ein Ring der irgendwie mit einer Schnur und diversen Holzstückchen verflochten war von diesem Rest getrennte werden musste. Solche Knobelspiele gibt es ja auch in rauhen Mengen bei uns, aber diese hier waren aus Bambus gebastelt.

Auch einige Musikinstrumente, geflochten Körber und Weber bei der Arbeit waren wirklich interessant. Ausserdem die gigantischen Ohrläppchen mancher Frauen (bestimmt 10 cm lang), in denen fast ebenso großer Schmuck hing.

Am Ende verbrachten wir dort doch deutlich länger als geplant, kamen aber trotzdem gemütlich kurz vor Sonnenuntergang in Tat Lo an. In diesem Dorf bekamen wir dann auch eine richtig schöne Bleibe für die Nacht, einen kleinen Bastbungalow auf Stelzen direkt am Fluss, mit Blick auf den Wasserfall. Abends saßen wir noch eine Weile am Wasserfall und schauten zu, wie die Kids vom Dorf dort mit Netzen auf Fischfang gingen.





Tag 2, Tad Lo – Salavan – Toumlan

Morgens starteten wir zunächst zu einem Ausflug zum beeindruckensten Wasserfall in der Nähe von Tat Lo, nämlich Tat Suong. Die LP Beschreibung führt einen direkt zu einem kleinem Parkplatz oberhalb der Oberkante des Wasserfalls, wo sich dann innerhalb von Sekunden ein ganzer Haufen Kids um uns versammelte um uns den sehr eindeutigen Weg die 20 Meter hinunter zum Wasserfall zu „zeigen“. Die Aussicht dort war wirklich atemberaubend, man steht direkt an der Kante und direkt vor einem stürzt das Wasser um die 70 Meter senkrecht in die Tiefe. Natürlich von Geländer keine Spur. Während ich ein paar Fotos machte, machte es sich Sebastian ein paar Meter von der Kante auf einem Stein im Flussbett gemütlich und zeigte den Kids einige von den ausgedruckten Fotos die wir von Europa mitgebracht habe. Die Schnneebilder waren wieder mal der absolute Renner. Am Ende ließen wir ihnen eins der Bilder da, und über die daraufhin unter den Kids ausbrechende Diskussion wem das Bild nun jetzt genau gehöre, vergaßen sie auch fast um Geld zu betteln dafür dass sie uns den Weg gezeigt hatten. Allerdings nur fast, ein paar von ihnen folgten uns doch als wir zum Moped zurück gingen, aber nach einem klarem „Nein“ verstanden sie die Message und winkten uns noch zum Abschied.

Nachdem der Weg zurück nur relativ knapp unterhalb des Wasserfalls zurückführte, wollten wir auch nochmal von unten hinlaufen. Kaum hatten wir das Moped geparkt, hatten wir schon wieder eine Menge Kids um uns herum die als Führer fungieren wollten. Nachdem der Weg oben aber so einfach zu finden war, wollten wir es auch hier wieder auf eigene Faust schaffen und liefen kurzentschlossen am Fluss entlang hoch. Allerdings wurde der Weg immer schlechter und war schließlich nicht viel mehr als eine Wildschweinspur durch den Dschungel, so dass wir schließlich doch uns von dem einem Jungen, der uns hartnäckig gefolgt war, den Weg zeigen ließen. Am Ende waren es vier Jungs, vielleicht 8 Jahre alt, die uns relativ zielsicher aus dem Unterholz heraus und auf den Weg zurückführten und uns dann hoch bis zum Wasserfall brachten. Auch die waren von den Fotos die wir ihnen zeigten recht begeistert und dabei stellte sich heraus dass sie doch einige Worte Englisch konnten. Und diesmal hatten sie sich ihr Trinkgeld ja wirklich verdient.

Inzwischen stand die Sonne schon relativ hoch am Himmel, höchste Zeit also um sich wieder aufs Moped zu schwingen und nach Salavan zu fahren. Auf der asphaltierten Straße kamen wir zügig voran, so dass wir schon am frühen Nachmittag in Salavan waren und beschlossen gleich durchzufahren nach Toumlan, ein kleines Städtchen noch etwa 50 km weiter nördlich. Kurz nach Salavan war allerdings Ende mit Asphaltstraße und kurze Zeit später auch Ende mit anständiger Dirt Road. Der schmale steinige war stellenweise extrem sandig, so dass die Reifen weit einsanken und lenken nur noch bedingt möglich war. Plötzlich führte der Weg steil nach unten und endete an einem Fluss. Dort lag eine rostige Fähre die offensichtlich schon seit längerem nicht mehr im Betrieb war im Wasser, daneben stand ein Lastwagen (offensichtlich auch schon seit längerem) bis zu den Achsen im Wasser. Ich erinnerte mich kurz vor der steilen Abfahrt einen kleine Laden gesehen zu haben und lief nochmal hoch. „Toumlan?“. „Toumlan!“, der Finger zeigte eindeutig über den Fluss. Etwas ratlos standen wir am Ufer, das Wasser wirkte doch relativ tief und der Fluss war bestimmt 15 meter breit. Da löste sich von der anderen Uferseite eine kleine Nusschale und machte sich auf den Weg zu und, sie Fähre!. Der Fährmann schob uns das Moped aufs Boot (wir wären bei dem Versuch bestimmt gekentert), und bedeutete Sebastian er solle sich draufsetzen und die Füße links und rechts am dem Bootsrand (der nur wenige cm über Wasser war) aufstützen. Die ganze Angelegenheit war äußerst wackelig, es genügte schon den Kopf nach links oder rechts zu drehen und das Boot fing gefährlich an zu schwanken. Aber wir kamen sicher auf der anderen Seite an und folgen weiter der Straße, immer wieder wenn der Weg wieder besonders schlecht wurde, bei einem der Dörfer die wir gelegentlich passierten nachfragend : „Toumlan?“. Aber offensichtlich waren wir auf dem richtigem Weg. Der Trick war weniger der Straße als vielmehr der Mopedspur zu folgen, die in wildem Slalom über den Treck führte, manchmal auch für einige Zeit weit am vom Treck durch den Wald oder auf die andere Seite eines Zaunes. Die Locals wissen einfach wie man sowas fährt und die Spur vermeidet die schlimmsten Sandstellen und Steine. Teilweise endete die Spur aber auch mitten auf der Wiese, und es war schon ziemliches Glück dass wir sie am anderen Ende der Wiese wiederfanden. Die Landschaft durch die wir fuhren entschädigte allerdings einiges, die Berge im Hintergrund und um uns herum Wälder und Wiesen, hin und wieder Dörfchen, Wasserfbüffel, Schweine.... Wenn ich nicht gerade dabei war einen Herzinfarkt wegen Sebastians Fahrweise zu bekommen, konnte ich es richtig genießen. Dann allerdings kam der zweite Fluss, diesmal ohne Fähre. Die Kids am Ufer und die Frauen die im Fluss Wäsche wuschen machten uns relativ eindeutig klar dass wir jetzt da durch fahren müssten. Also, Schuhe ausziehen und durch. Irgendwie schaffte Sebastian es mit dem Moped durch den Fluss über die schlüpfrigen Steine zu rutschen/fahren dabei halbwegs den Anweisungen folgenden die uns die Frauen (auf Lao) zuriefen ohne sich oder dem Moped gravierende bleibende Schäden zuzuführen.

Inzwischen war es schon wirklich später Nachmittag und die Sonne war am untergehen, aber zum Glück führte unser Treck recht bald auf eine sehr viel bessere Dirt Road, so dass wir gerade mit Einbruch der Dunkelheit Toumlan erreichten. Toumlan wird als „arme Stadt“ beschrieben, aber eigentlich ist er wirklich nicht mehr als ein etwas größeres Dorf. Trotzdem fanden wir recht schnell eine Bleibe für die nacht, in etwas das mal ein Guesthouse sein wird wenn's mal fertig gebaut ist. Das größere Problem stellte Essen dar. Es gab nichts eindeutig als Restaurant identifizierbares, aber trotzdem sollte es ja trotz Sprachschwierigkeiten nicht allzu schwer sein jemanden klarzumachen das man etwas zu essen sucht. Aber irgendwie war die Suche lange nicht von Erfolg gekrönt und wir hatten schon fast aufgegeben als uns plötzlich jemand in perfektem Englisch ansprach: „How can I help you?“. So lernten wir Mr. Go kennen, den Englisch Lehrer der Stadt. Irgendwie schien es wirklich keine Restaurant hier zu geben, aber er kochte uns eine richtig leckere Nudelsuppe, erzählte und einiges von sich und der Stadt und lud uns ein am nächsten morgen zu seiner Schule zu kommen.







Tag 3, Toumlan – Salavan – Tad Lo

Tatsächlich schafften wir es am nächsten morgend die Secondary School zu finden und fragten uns durch zu „Mr. Go“. Der war wirklich begeistert das wir tatsächlich gekommen waren, zeigte uns etwas herum und fragte dann ob wir „Computer Experts“ wären, er bräuchte unsere Hilfe. Tatsächlich ging es um nichts kompliziertes, sondern lediglich darum den Englisch-Test den er nächste Woche halten wollte kurz am PC abzutippen. Vom 10-Finger-System, mit ständigem vertippen wegen Englischer Tatsatur war er absolut begeistert, der arme Kerl braucht vermutlich ewig um so ein Zettelchen abzutippen. Der Test selber war für Englisch-Schüler im zweiten Jahr Englisch und war auf einem extrem niedrigem Niveau – aber dann muss man ja bedenken dass die auch noch unsere Schrift erst lernen müssen. Danach stand Sportunterricht auf dem Programm, ein Test in Volleyballspielen. Er bestand darauf dass wir auf der Schiri-bank saßen, und zeitweise notierte ich sogar die Punkte. Die Kids genierten sich etwas vor uns zu spielen (dabei waren sie wirklich gut), aber dafür waren wir DIE Attraktion für den Rest der Schule. Am Ende standen unglaublich viele Leute um das Volleyball Feld herum und gafften uns einfach nur an. Als wir uns schließlich verabschiedeten kamen noch der Boss und der „Sub-boss“ der Schule um uns die Hände zu schütteln und ließen durch Go ausrichten dass sie sich sehr gefreut hätten dass wir gekommen waren. Sie meinten, so weit sie sich erinnern könnten, wäre noch nie ein „foreigner“ in die Schule gekommen.

Laut Lonely Planet liegt Toumlan direkt auf dem Ho Chi Min Trail. Über diesem sind während dem Vietnamkrieg Unmengen an Panzer und Armeen von Nordvietnam über Laos und Cambodia Richtung Südvietnam gezogen. Entsprechend wurde das Gelände aus der Luft von den Amerikaners stark bombadiert, so dass Laos das am stärksten bombadierteste Land der Geschichte ist obwohl offiziell die USA dieses Land natürlich nie bombadiert hat. Allerdings konnten die Locals mit dem Begriff Ho Chi Min Trail nichts anfangen, und in Anbetracht der Straßenqualität beschlossen wir, uns wieder auf den Weg Richtung Salavan zu machen. Unterwegs kamen uns einige UXO Lao Laster entgegen, die uns zum einen völlig einstaubten, zum anderen aber die Theorie bestätigten dass der Ho Chi Min Trail durch dieses Gebiet geführt hatte denn teilweise waren sie vollgeladen mit Resten von Fliegerbomben.

Der Rückweg kam mir irgendwie unproblematischer vor wie der Hinweg, wahrscheinlich hatten wir uns inzwischen etwas an die Straßen hier gewöhnt. Ich bin sogar Teile der „durch den Fluss Strecke“ selber gefahren, bis das Wasser so tief wurde dass längere Beine einfach von Vorteil waren. Interessant war auch das tanken unterwegs. Die Tankstelle bestand aus einem Brett am Wegrand, auf dem einige alte Whiskey Flaschen mit roter und gelber Flüssigkeit aufgereiht waren. Rot ist Benzin, Gelb ist Diesel. Als wir andeuteten, so eine Flasche in den Tank zu kippen und sie dabei fragend anschauten, ernteten wir nur den üblichen gaffenden Blick (Inzwischen war das halbe Dorf zusammengelaufen). Also schien das wohl die Richtige Methode zu sein. Das ist sowieso etwas, woran ich mich hier etwas gewöhnen muss: Die Menschen sind hier irgendwie deutlich passiver als in Cambodia, anstatt einem gleich etwas verkaufen zu wollen muss man selber ihnen schon sehr aktiv klarmachen dass man was von ihnen will damit aufhören zu gucken und aktiv werden. Das ist manchmal wirklich angenehm, wenn z.B. an der Busstation nicht gleich von 25 Guesthouse-besitzern überfallen wird, aber manchmal etwas nervig wenn man an einem Marktstand steht aber weit und breit niemand in Sicht ist der einem die Güter verkaufen will.

In Salavan statteten wir noch kurz UXO Laos einen Besuch ab, die einigen beeindruckende Fliegerbombenreste aber auch anderes Kriegsgerät in ihrem Hinterhof herumliegen hatten, bevor wir weiter zurück nach Tat Lo fuhren. Dort hatten wir uns als wir das letzte Mail da waren für den kommenden Nachmittag für einen Elefantenritt eingetragen. Den Abend verbrachte ich damit unter den Touris nach einer Nikon Kamera zu suchen, weil mein Ladegerät auf mysteriöse Art und Weise verschwunden war. Ergebnis des Ganzen war allerdings nur, das Nikon für verschieden Seriennummern ihrer Spiegelreflex-Reihe verschiedene Ladegeräte verwendet. Grr.....




Tag 4, Tad Lo - Thateng

Als wir morgens aufwachten, die erste Überraschung: Statt Sonnenschein und Hitze war es eiskalt. (Das heißt, unter 20 Grad vielleicht.) Dazu ein wirklich frischer Wind der den ganzen Staub ständig aufwirbet. Nicht gerade optimale Bedingungen um meine Schuhe zu trocknen, die von der durch-den-Fluss-fahr-Aktion noch ziehmlich nass waren. Nach einem gemütlichen Vormittag in Tad Lo starteten wir am Nachmittag zu unserem Elefantenritt, anderthalb Stunden auf dem Rücken einer der beiden weiblichen Elefanten der Tad Lo Logde. Der Weg führte durch den Dschungel, durch kleine Dörfer und über Flüsse und war an vielen Stellen nicht viel mehr als ein schmaler Trampelpfad. Es ist wirklich beeindruckend wie leise sich diese riesigen Tiere durch unwegsames Gelände bewegen und wie wenig Spuren sie hinterlassen. Nur einmal gab unsere Elefant einen Laut von sich, als hinter ihm ein Local ein Pfeife anzündetet und sie den Rauch roch. Sichtlich in leichter Panik versuchte die Elefantendame auf dem schmalen Weg sich umzudrehen, gab seltsame Elefantenlaute von sich und streckte den Rüssel nach oben zu dem Pfleger, der rittlings hinter ihren Ohren saß. Dieser hatte das Tier dann aber relativ schnell beruhigt und weiter gings. Nach dem Ausflug konnten wir noch zusehen, wie die beiden Elefanten im Fluss gewaschen wurden. Die beiden gehorchten ihren Pflegern wirklich aufs Wort, so dass sie gerade soweit untertauchten dass sie komplett Unterwasser wahren, die Pfleger jedoch obendrauf stehend trocken blieben und sie mit einer Flip-Flop schrubben konnten.

Dann war es wieder Zeit sich auf's Moped zu schwingen, denn trotz der langsam untergehenden Sonne wollten wir heute noch zumindest ein kleines Stück der Strecke schaffen. Bis Ban Ben kamen wir zügig voran, und die Dirt Road von Ban Beng nach Thateng war in relativ gutem Zustand. Mit schwindendem Licht wurden jedoch nicht nur die Sichtverhältnisse schlechter, es wurde vor allem richtig, richtig kalt. Wir waren eben doch inzwischen auf dem Plateau, und dazu der Fahrtwind – nächstes Mal nehmen wir zumindest Handschuhe mit! Völlig eingefroren kamen wir in Thateng an, und beschlossen, dort die Nacht zu bleiben und dafür am nächsten Morgen früh loszufahren.

Unser Zimmer für die Nacht hatte sogar Warmwasser, zum ersten Mal seit sehr langem, aber ich war so eingefroren, dass ich noch nicht mal die heiße Dusche richtig genießen konnte. Thateng stellte sich als Durchgangstadt für vietnamesische Fernfahrer und Händler heraus. Das Restaurant wo wir zu Abend aßen, offensichtlich eine Fernfahrerkneipe, servierte allerdings überraschend geschmackloses Essen - wenn das vietnamesische Küche war wie sie uns stolz erzählten bin ich froh dass wir nicht mehr nach Vietnam fahren ;-)







Tag 5, Thateng – Sekong – Paksong

Als wir uns am nächsten Morgen noch vor sieben Uhr aufs Moped schwangen hatte ich alle Klamotten an die ich dabei hatte, inclusive zwei Hosen, zwei T-shirts – es war trotzdem verdammt kalt. Auf den 50 km nach Sekong kletterte die Sonne langsam höher, so dass sie gegen Ende sogar ein bisschen wärmte. Dafür war die Landschaft um uns herum mal wieder toll, Wald, Reisfelder, Kaffeeplantagen, im Hintergrund die Berge. Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer, und die Dorfbewohner waren auch schon auf, vor jedem Haus brannte ein kleines Feuerchen um dass sich die Bewohner drängten. Auch auf der Straße waren einige Locals unterwegs, mit großen Bastkörben auf dem Rücken in denen sie Feuerholz transportierten. Ansonsten war auf der asphaltierten Straße wenig los.

Als wir in Sekong ankamen, war es schon etwas wärmer, auch weil Sekong selber nicht mehr auf dem Plateau liegt. Nach einem Frühstück mit viel heißem Tee und Kaffee (letztere ist hier übrigens absolut fantastisch, wird direkt auf dem Plateau angebaut) waren wir auch wieder aufgetaut. Nach einem kurzen Besuch auf dem Markt und der in Sekong ansässigen UXO Laos Niederlassung machten wir uns wieder auf den Weg, inzwischen war die Temperatur auch wirklich angenehm. Noch 30 km auf der Asphaltstraße dann führte der Weg über eine Dirt Road noch etwa 70 km nach Paksong. Diese Strecke gehört sicherlich zu den schönsten Strecken des Southern Swing und führt durch Dschungel und Kaffeeplantagen hinauf aufs Plateau. Hin und wieder ein Dörfchen, aber insgesamt extrem wenig Verkehr auf der Straße. Mal eine Gruppe Kids mit Feuerholz, mal Mädchen die Wasser nach Hause trugen, mal ein junger Mann mit einer AK 47 über die Schulter geschlungen (Jagdgewehrersatz...), ganz selten ein Tok-Tok oder ein anderes Moped. Zwei gigantsiche Wasserfälle haben wir auf der Strecke gesehen, beide in keinster Weise ausgeschildert und wirklich leicht zu übersehen. Den ersten erblickte ich nur durch Zufall, es gibt nur genau eine Stelle auf der Straße von der er sichtbar ist, bereits 1m weiter ist er vom Dschungel verdeckt. Und als wir auf gut Glück den nächsten Trampelpfad ab vom Weg nahmen, kamen wir direkt oberhalb dieses Wasserfalls heraus und hatten einen gigantischen Blick darauf wie die Wassermassen in die Tiefe stürzten und dann der Fluss im Dschungel verschwand.

Für den zweiten, Tad Katamok, der mit seinen 120 Metern Höhe als der höchste Wasserfall in Laos gilt, hatten wir eine Beschreibung die aber irgendwie nicht so recht passsen wollte. Aber als wir laut Kilometerzähler so ungefähr auf der richtigen Höhe waren und den nächsten Trampfelpfad ins Gebüsch nahmen, wurden wir nach einiger Kletterei mit einem Blick auf diesen riesigen Wasserfall belohnt. Der Trampelpfad führte weiter, recht steil und an einigen Stellen durch dichtes Unterholz aber am Ende durch einen Bananenwald direkt zum Wasserfall hin. War schon beeindruckend.

Um nicht wieder durch die Kälte fahren zu müssen machten wir uns von dort aus zügig auf den Weg nach Paksong, der nächsten Übernachtungsmöglichkeit. Das letzte Stück Straße war eine Katastrophe, geteert aber voller riesiger Schlaglöcher, eine einzige Slalomfahrerei. Da hätten sie mal lieber die Dirt Road so gelassen wie sie war...








Tag 6, Paksong – Tad Yuang – Tad Fan – Pakse

Nur ein paar Kilometer von Paksong entfernt in Richtung Pakse liegen Tad Yuang und Tad Fan, zwei weitere beeindruckende Wasserfälle. Einziger Minuspunkt sind die Busladungen an Touristen aus Thailand, die diese beiden Orte regelrecht überschwemmen. Abseits vom ausgeschilderten „viewing point“ ist man jedoch recht bald wieder alleine und kann das Wasserfall-Dschungel-Feeling genießen. Besonders bei Tad Fan wurden wir nach einem kurzen Stückchen Weg und einer ziemlich abenteuerlichen Kletterei mit einem tollen Blick auf die beiden Flüsse belohnt, die hier parallel gut 100 Meter in die Tiefe stürzen, oberhalb und unterhalb der senkrechten Klippe absolut unberührter Dschungel.

Und das war dann auch schon der letzte Stop auf unserer Tour, am frühen Nachmittag erreichten wir Pakse wo in dem Gepäck das wir dagelassen hatten wundersamerweise mein Ladegerät auftauchte (wer hat denn das da rein gepackt ?!?). Wir quartierten uns wieder in dem selben Guesthouse wie letztes Mal ein, der Vogel und Sebastian freuten sich beide offensichtlich sich wiederzusehen, und den Nachmittag über fuhren wir noch etwas per Moped in Pakse umher, um es dann nach Einbruch der Dunkelheit zurückzugeben, in der (berechtigten) Hoffnung, dass so der Kratzer vom Rucksack draufschnallen nicht auffallen würde.

Jetzt noch einen Tag auspannen und von den Strapazen erholen in Pakse, danach geht’s dann hoch nach Vientaine und dann von dort per Flieger über Kuala Lumpur nach Bali.

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