Samstag, 27. September 2008

Donnerstag, 18. September 2008

Tauchen auf Pulau Aur, Malaysia

Eigentlich wollte ich an meinem Projekt weiterarbeiten, doch der schwankende Boden in meinem Zimmer erschwert die Konzentration. Also lieber erst mal Blog schreiben. Schwankender Boden? Erdbeben? Nein, keinesfalls. Aber ich habe letztes Wochenende auf Pulau Aur, Malaysia, meinen Tauchschein gemacht und nach insgesamt ca. 24 Stunden im Wasser bzw. auf einem Fischerboot weigert sich mein Gleichgewichtssinn festen Boden unter den Füßen als solchen zu erkennen. Montag Morgen musste ich mich auf dem Weg zur Dusche an der Wand festhalten!



Nach einer Theoriestunde (incl. „Prüfung) und zwei Abenden mit Pool-Übungen gings am Freitag Abend, 7 Uhr (singapurianische Zeitangabe, also eigentlich 8:30 aber man will ja sicher sein dass niemand zu spät kommt und den Bus verpasst…) mit dem NUS Dive Club los Richtung Pulau Aur. Pulau Aur ist eine Insel vor der Ostküste Malaysias, also erst mal mit dem Bus nach Johor Baru, Grenzkontrolle, dann weiter mit dem Bus die Ostküste hoch nach Mersing und von dort aus dann mit der „Fähre“ noch ca. 4 Stunden Bootsfahrt nach Pulau Aur. Anführungszeichen deshalb, weil wir aufgrund der Größe der Gruppe (ca 30 Leute) aufgeteilt wurden und ich nicht auf der offiziellen, großen aircon-Fähre gelandet bin sondern zusammen mit 10 anderen auf einem Fischerbötchen. Das hat zwar auf offener See ganz schön ordentlich geschaukelt, war aber eigentlich total klasse. Es gab sogar eine Art Kabine mit ein paar Matratzen, mit der Wahlmöglichkeit Fenster zu und gefühlte 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit oder Fenster auf und gelegentlicher Erfrischung wenn mal wieder eine hohe Welle kam. Aber ein bisschen Schlaf hab ich während der Bootsfahrt doch bekommen, und der Blick in einen unglaublichen Sternenhimmel hat die Wachphasen zwischendurch mehr als entschädigt. Da in Mersing bei Abfahrt gerade Ebbe war und Atlantic Bay Resort auf Pulau Aur, wo wir das Wochenende über geblieben sind, nur einen Sandstrand und kein Steg hat, mussten wir sowohl bei der Abfahrt als auch bei der Ankunft per Nussschale zu bzw. vom Boot gebracht werden. Und das um 4 Uhr morgens mit dem ganzen Gepäck und Taucherausrüstung war schon ein Erlebnis. Schließlich am Atlantic Bay Resort angekommen (3 Hütten am Strand, Zielgruppe Taucher. Es gab noch nicht mal einen Weg ins Inland der Insel), gabs noch ein paar Stunden Schlaf bevor es dann um 8 Uhr losging mit den Vorbereitungen für den ersten Tauchgang.



Insgesamt gabs an dem Wochenende vier Tauchgänge, drei am Samstag und einen am Sonntag. Das selbe Boot, das uns in der Nacht zur Insel gebracht hatte, diente meiner Gruppe (sechs Studenten (alles exchange students ;-) + Instructor + Assistent) als Transportmöglichkeit zu den „Divesites“ und als Aufenthaltsort zwischen den Tauchgängen. Nach einer Weile kennt man dann alle lose Bretter und niedrigen Türrahmen ;-).



Und auch diesmal ging's nur per Nussschale zum und vom Boot.



Die ersten drei Tauchgänge (~ 6m) waren richtig super. Für den Anfang hatte unser Instructor, Awin, unter Wasser knapp über dem Boden ein Seil gespannt an dem wir uns festhalten konnten, denn es ist gar nicht so einfach kontrolliert an der gleichen Stelle zu bleiben – vor allem auf der gleichen Höhe. Unser erster „Divesite“ (sorry ich weiß das deutsche Wort nicht…) hatte deswegen auch zumindest Teilweise Sandboden, damit man sich unten hinknien kann ohne sich oder das Korallenriff zu verletzen. Später hatten wir’s dann soweit raus das wir knapp über dem Boden schweben konnten. Jeder Tauchgang begann damit dass wir einige Techniken, wie Wasser aus der Taucherbrille entfernen, Atemgerät ausspucken und wiederfinden, Atemgerät eines Mittauchers benutzen, etc. demonstrieren mussten.



Danach war meistens noch Zeit relativ frei noch etwas die Umgebung zu erkunden und jede Menge interessantes Unterwassergetier zu sehen. Auch während ich wartete, während der Rest meiner Gruppe die Techniken dem Instructor vorführten, hatte ich viel Zeit mich etwas umzuschauen und die Fische zu bewundern. Diese kamen richtig nah, knapperten teilweise etwas an meinen Beinen oder waren bloß neugierig und wollten mal schauen was da seltsames im Wasser gelandet war. Einige werden auch von den Luftblasen angelockt, die man ausatmet. Und es waren nicht dies beige-grauen Fische die man typischerweise in deutschen Seen findet, sondern so richtig bunte Fisch in allen Farben und Formen. Einige sehr ähnlich zu den Fischen aus „Findet Nemo“. Ganz toll sind auch „Christmas Corrals“, nur wenige Zentimeter groß, wachsen auf den Korallenriffen und sehen aus wie Miniaturweihnachtsbäume in allen Farben (orange, blau, violett..). Wenn man sie mit dem Finger berührt verschwinden sie in Sekundenbruchteile zurück in ihre Höhle im Riff. Und außerdem ist es natürlich einfach toll schwerelos im Wasser zu schweben .

Zwischen zwei Tauchgängen haben wir an Bord unseres Bootes einen toten fliegenden Fisch entdeckt, der sich bei einem Sprung wohl etwas verkalkuliert hatte und auf dem Deck gelandet war. Nachdem wir den Fisch zurück ins Wasser geworfen hatten, tauchte innerhalb von Sekundenbruchteilen ein „Pipefish“ (Leo übersetzt mit „Seenadel“, auf alle Fälle ein ca 50cm langer, röhrenförmiger Fisch mit einem ziemlich fies aussehendem Maul) auf, der sich diese Mahlzeit nicht entgehen lassen wollte. Und wenn wir gerade nicht mit solchen Spielereien oder de Auf- und Abbauen unserer Ausrüstung beschäftigt waren, so war es richtig schön auf Deck in der Sonne zu sitzen und den Blick auf das Meer und die umliegenden, größtenteils unbewohnten Inseln zu genießen.



Der letzte Tauchgang (6 Uhr aufstehehn…) am Sonntag war auch sehr interessant, wenn auch anders als erwartet. Unser Instructor hatte uns versprochen uns zu einem „Divesite“ für Fortgeschrittene zu bringen, und hatte uns jede Menge vorgeschwärmt von den richtig großen Fischen die es da zu sehen gäbe. Als wir den Platz erreichten war die See dort recht unruhig, aber Awin meinte unter Wasser würden wir davon nichts mehr merken. Das Bötchen schaukelte ordentlich (mindestens +/- 30 Grad), die einzige Möglichkeit ins Wasser zu kommen war bei diesen Bedingungen die Rückwärtsrolle und einmal im Wasser musste man ordentlich gegen die Strömung kämpfen um nicht abgetrieben zu werden bis alle im Wasser waren. Aber wie gesagt, unter Wasser sollten wir davon eigentlich nichts mehr merken. Schließlich gings dann runter auf 17 m, wobei ich das nur anhand von meinem Barometer feststellen konnte nachdem es keinerlei Referenzpunkte gab, der Boden war von oben nicht zu sehen und die Entfernung zur Oberfläche ist unglaublich schwer einzuschätzen. Beim Runtergehen hatte ich ziemliche Probleme mit meinen Ohren, irgendwie wollte der Druckausgleich nicht so recht funktionieren und auf 17m ist auch alles etwas schwieriger als im Pool. Hier kann man nämlich wenn was ist nicht einfach hochschwimmen – dazu ist der Stickstoffgehalt im Blut wegen dem Außendruck zu groß. Schließlich waren wir aber alle unten und sahen – Wasser. Schemenhaft konnte ich unter mir etwas Dunkles erkennen was vermutlich der Meeresboden war aber der war noch ein gutes Stück weg (und 18m ist das absolute Limit für Anfänger). Wir schwammen noch ein bisschen herum auf der Suche nach dem Riff und den ganzen tollen Fischen, aber da war nur Wasser. War aber auch mal eine Erfahrung, solche Wassermassen um sich rum und die Oberfläche so weit weg und nur das Barometer als Orientierungshilfe. Ansonsten ist es nämlich quasi unmöglich festzustellen ob man sich gerade nach oben oder unten bewegt. Als wir schließlich wieder die Oberfläch erreichten war die Einstiegsstelle kaum noch sichtbar, so weit waren wir abgetrieben! Kein Wunder das da auf 17 m nichts war, wir waren mitten im offenen Meer viel zu weit weg vom Boot um hinschwimmen zu können. Aber dazu hat man dann so eine tolle, unglaublich laute Tröte (das hat meinen Ohren dann endgültig den Rest gegeben) mit dem man dem Boot signalisiert dass man abgeholt werden möchte. Ein interessanter Tauchgang also, aber sehr anders als erwartet.



Die restliche Zeit bis wir wieder in Singapur waren habe ich hauptsächlich mit schlafen zugebracht. Das stark schwankende Boot auf dem Rückweg zum Resort hat meinen Magen zum rebellieren gebracht, hinzu kamen immer noch etwas Schmerzen in den Ohren und ein Sonnenbrand (den ich mir Unterwasser trotz wasserfester 30ger Sonnencreme zugezogen hatte). Insgesamt also Grund genug um erst mal auf Pulau Aur noch die zwei Stunden bis zur Abfahrt zu schlafen, dann auf dem Boot zurück nach Mersing zu schlafen und auf dem Bus sowieso. Als wir Sonntag Abend in Singapur ankamen, war ich dann wieder fit und meine Ohren sind inzwischen auch wieder ok . Bloß der Boden könnte mal bitte aufhören zu schwanken…



P.S: Die Unterwasserbilder sind ausnahmsweise mal nicht von mir, ein paar Leute vom Dive Club hatten Unterwassercameras dabei.

Mittwoch, 10. September 2008

National University of Singapore (NUS)

Jetzt studiere ich hier schon etwa fünf Wochen und habe eigentlich noch gar nichts bis überhaupt nix von der Uni hier erzählt. Das könnte ja fast den (falschen!) Eindruck erwecken ich würde hier gar nicht studieren sondern nur reisen. Höchste Zeit also, etwas über meine Vorlesungen und dem Leben hier auf dem Campus zu berichten.




Inzwischen kann ich auch wirklich etwas zu meinen Vorlesungen sagen. Das wäre noch vor zwei Wochen sehr schwierig gewesen, weil mein Stundenplan erst seit Anfang dieser Woche endgültig (hoffe ich zumindest) feststeht. Der Grund dafür ist, dass ich mich an Anfang relativ schwer getan habe (das ist eigentlich eine grobe Untertreibung), halbwegs passende Vorlesungen zu finden. Die einzige Vorlesung, bei der halbwegs realistische Chancen bestehen, dass ich sie daheim in München anrechnen lassen kann, ist eine „nichtphysikalische“ Vorlesung. Ich habe einige Vorlesungen aus der Mathematik und Informatik Fakultät ausprobiert und war teilweise wirklich geschockt von dem (nicht existenten) Niveau: In einer Vorlesung für Mathematikstudenten im zweiten Jahr wurde in der zweiten Woche das Runden eingeführt (ab 5 rundet man auf, bis 4 ab – aber das hat etwa 20 Minuten zum Erklären gedauert, weil man muss es ja für jede Nachkommastelle extra erklären und dann noch 20 Beispiele bringen) und in der dritten Woche dann Matrizen eingeführt. In einer Mathevorlesung für Studenten im dritten Jahr wurde dann immerhin schon phänomenologisch durch Beweis durch Bild am Beispiel die Integration eingeführt, für die hochgradige komplizierte Funktion y = x². Alles Stoff also, der an der TU bei Studienbegin vorausgesetzt wird. Am Ende habe ich dann aber doch eine Mathevorlesung gefunden mit der ich ganz zufrieden bin. „Mathematical Modelling“ nennt sie sich, ist mathematisch definitiv nicht sehr anspruchsvoll aber man braucht etwas gesunden Menschenverstand und ich übe dabei etwas programmieren. Da ich hoffe die Note einbringen zu können, mache ich auch brav die Tutorials (und die sind ganz schön zeitaufwendig und manchmal nervenaufreibend ) und werde auch die Prüfung mitschreiben. Allerdings ist die Uhrzeit dieser Vorlesung etwas gewöhnungsbedürftig - Freitag abend, 19 - 22 Uhr!

Ansonsten höre ich noch eine Physikvorlesung, „Quantum Optics“. Die gefällt mir richtig gut und kann vom Niveau her locker mit den Spezialvorlesungen die ich von der TU her kenne mithalten. Ist tendenziell eher eine theoretische Vorlesung aber mit verblüffenden experimentellen Beispielen und Andwendungen, wie Quantenkryptographie und Quantenteleportation. Aber auch in der Physikfakultät musste ich lange suchen und habe de facto alle viert und fünft-Jahresvorlesungen abgeklappert, die auch nur halbwegs interessant klangen. (Darunter eine fünft-Jahres-Vorlesung in Spintroniks wo ich gelernt habe dass das Elektron in einer Kreisbahn um den Kern fliegt. Als Tatsache. Kein Wort von Modell. Wenn man in einer Spintronikvorlesung im letzten Studienjahr den Spin nicht quantenmechanisch behandelt - …! Naja, wer mal mit mir in einer Vorlesung gesessen hat kann sich denken was ich davon gehalten habe ;-).)

Das dritte Modul das ich hier belegt habe, ist gar keine Vorlesung sondern ein Forschungsprojekt am „Center for Quantum Technology“ (Bild oben) in der „Interdisziplinary Theory Group“. Ein explizites Thema kann ich noch nicht beim Namen nennen, weil in der Forschung manchmal schwer vorhersehbar ist, was am Ende rauskommt wenn man sich mit bestimmten Fragestellungen beschäftigt. Im Übrigen bin ich im Großen und Ganzen auch noch in der Einarbeitungsphase. Ganz grob gesagt geht es aber darum, bestimmte verschränkte Mehrteilchen Quantenzustände genauer untersuchen um herauszufinden in wie weit sie sich als Grundlage für Berechnungen mit Quantencomputern (nein, die gibt’s noch nicht – ansonsten wär ich hier auch arbeitslos) eignen. Ist bisher alles mit Bleistift und Papier und ist wahnsinnig interessant. Ist ziemlich zeitaufwendig (aber das hab ich mir wohl selber so ausgesucht) aber macht mir richtig viel Spaß. Und ich hab hier ein Büro .




Gibt natürlich Hochs und Tiefs, je nachdem die Rechnungen gerade erfolgsversprechend laufen oder ich an einem Paper verzweifele. Der Prof der mich hier betreut hat es so formuliert: „You never know in advance if your research is going to be successful, actually most of the time we fail – but in the worst case you’ll have learned a lot.“ Und das habe ich jetzt schon. Das “Center for Quantum Technology” wurde vor etwa einem Jahr gegründet, in der ersten Runde einer “Exellenzintiative” der singapurianischen Regierung (klingt irgendwie bekannt…). Die Leute die sich das Konzept ausgedacht hatten bekamen 1,5 Mio S$ in die Hand gedrückt mit der Auflage, es über die kommenden fünf Jahre in Forschung zu investieren. Das Ergebnis sind jede Menge sehr gute Leute aus der ganzen Welt die jetzt hier im CQT sitzen und sich zum ersten Mal in ihrer Karriere nicht mehr jammern dürfen dass sie kein Geld zum Forschen haben. Heute Vormittag hat zum Beispiel ein Mitarbeiter des MPQ’s in Garching hier einen Vortrag gehalten ;-).

Das war’s dann auch schon an Vorlesungen die ich hier höre. Drei Module hört sich auf den ersten Blick nicht viel an aber die Veranstalten hier an der NUS neigen dazu in recht viel (und teilweise nur begrenzt sinnvolle) Arbeit auszuarten. Die Locals hier haben teilweise bis zu sieben modules – irgendwie schon nachvollziehbar dass da das meiste ziemlich oberflächlich bleibt. Es ist mir trotzdem ein Rätsel wie sie den ganzen Lesestoff und die Tutorials bewältigen – selbst wenn sie jedes Wochenende studieren (und nicht in der Weltgeschichte herumreisen), die ganze Nacht hindurch lesen und dann in der Vorlesung schlafen. (Die Lehrbücher hier kann nur für zwei Stunden(!) aus der Bücherei ausleihen – es sei denn man geht abend nach 20:00 hin (Bib schließt um 22:00 Uhr), dann kann man das Buch bis um 8 Uhr morgens am nächten Tag behalten….)

Die Tutorials sind hier auch so eine Geschichte. Alle Tutorials die ich besucht habe, waren richtig kleine Gruppen und vom Prof selber gehalten (sprich der hält dann neben der Vorlesung tatsächlich fünf mal Tutorübung die Woche!). Versprach also an sich sehr interessant zu werden. War's dann auch, aber anders als erwartet. In einer Übung legte der Prof einfach eine Folie mit den fertigen Lösungen auf, las dan eine halbe Stunde lang einfach von der Folie ab und schickte uns dann heim. In einer anderen Übung sollten wir dann zwar selber vorrechnen, aber 5 Leute gleichzeitig an verschieden Teilen der Tafel (teilweise die gleich Aufgabe, teilweise eine andere Teilfaufgabe). Erklären kann man dabei offensichtlich nichts, aber darum scheint es auch irgendwie nicht zu gehen. Es schreibt auch keiner mit (ginge auch schwer wenn 5 Leute gleichtzeitig anschreiben), Musterlösungen sind ja dann eh online. Aber der Prof sieht dass man's gemacht hat und man bekommt Punkte die am Ende in die Endnote einfließen. Ein Tutorial habe ich, dass vom Prinzip her so ähnlich abläuft wie ich es von der TU er kenne. Allerdings ist es dort dann so, dass einige der Locals völlig überfordert sind wenn sie an der Tafel erklären sollen was sie da gerade machen. Kein Wunder wenn sie es bisher quasi noch nie machen mussten. Es gibt also einiges, was mir hier besser gefällt als an der TU (z.B. das aktive Campusleben), aber Tutorübungen gehören bestimmt nicht dazu!



Der Campus hier besteht aber nicht nur aus CQT, Bibliotheken und Vorlesungssälen, sondern beherbergt eigentlich fast alles was man zum Leben braucht. Wenn einen die Neugierde und Reiselust nicht dazu bringt die restliche Insel und die Nachbarländer zu erkunden, dann kann man es durchaus schaffen das ganze Semester über den Campus nicht zu verlassen. Und es gibt genug Studenten die das so machen. Neben zahlreichen Kantinen (neben den üblichen Foodcourts auch Subway und MacDonalds) und Ständen die „Fresh Fruit Juice“ verkaufen gibt eine Post, ein Freibad, einen Elektronikladen, einen Supermarkt, zwei Buchläden, mehrere Schreibwarenläden, eine Sportanlage mit Stadion, Tennisfeldern, Tischtennisplatten, Badmingtonfeldern, Turnhallen, etc., eine Kletterhalle, mehrere Fitnessstudios, zahlreiche Auftenthaltsräume,…. Und das sind nur die Sachen die ich schon gefunden habe und die mir gerade einfallen. Nachdem die Locals hier für aktive Beteiligung in einem NUS – Club CCA-Punkte bekommen, die sie dann einsetzten können um in bestimmte Vorlesungen rein zu kommen oder um auf dem Campus wohnen zu dürfen, gibt es hier für fast alles einen eigenen Club. Das reicht von Sportclubs über Debating-Clubs und Tanz-Clubs bis hin zu Naturschutz-Clubs und dem Diving-Club, bei dem ich gerade meinen Tauchschein mache. (Das ganze sorgt für ein sehr aktives Campusleben, Studenten studieren hier nicht nur sondern sie leben hier. Das schafft einerseits eine tolle Atmosphäre, andererseits sind die Locals teilweise so beschäftigt damit CCA-Punkte zu sammeln und zu studieren, das nicht mehr viel Zeit zum übrigen Leben bleibt.) Und natürlich braucht jeder Club seinen eigenen Raum mit spezieller Ausstattung weswegen es also noch eine ganze Menge mehr Räumlichkeiten gibt die ich noch nicht kennengelernt habe. Ein internes (kostenloses) Bussystem sorgt dafür, dass man auch alle diese Räumlichkeiten gut erreichen kann. Denn in Singapur sind hundert Meter schon „very far“.



Trotzdem bleibt man auf dem Campus fit, denn der Campus ist auf dem einzigen Hügel der ganzen Stadt gebaut. Insofern ist es fast unmöglich sich ebenerdig fortzubewegen und obwohl es viele Lifte gibt – es gibt noch viel, viel mehr Treppen. Manche Stockwerke lassen sich auch per Lift gar nicht erreichen, sondern nur per Treppe. Aber das hat gedauert bis ich das rausgefunden habe… es gibt in der Physik die Stockwerke 1 – 4 und M. M steht für Medium (obwohl Mysterious passender wäre) und befindet sich zwischen Stockwerk 1 und 2. Natürlich gibt es auf dem Bedienungsfeld des Liftes nur die Zahlen 1 bis 4. Und natürlich befinden sich in dem M-Stockwerk nur so unwichtige Dinge wie das „General Office“, das für sämtliche Studentenangelegenheiten der Physik zuständig ist! Und wenn man es mal schafft einen ganzen Block langzulaufen ohne eine Treppe, Rampe oder Lift zu benutzen dann muss man feststellen, dass sich die Stockwerksnummer meist trotzdem geändert hat. Das erschwert das Auffinden von Büros und Hörsälen beträchtlich und den kürzesten Weg von A nach B zu finden ist so gut wie unmöglich. Allein die Architektur auf dem Campus sorgt also schon dafür, dass hier kein Tag wie der andere ist.




Auch mein Wohnheim, Prince George’s Park (PGP), liegt auf dem Campus. Hier wohnen etwa 3000 Studenten in 15-er WG’s, wobei der Begriff „WG“ dazu schon recht arg gedehnt werden muss. Es gibt zwar eine recht große Küche in jeder WG, aber da Essen gehen deutlich billiger ist als selber kochen wird diese kaum genutzt. Somit trifft man seine Mitbewohner meist nur im Lift oder kurz auf dem Flur, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher ob ich wirklich alle meine „Mitbewohner“ schon gesehen habe. Aber dafür kenne ich sonst quer durch die verschieden WG’s und Wohnblöcke schon richtig viele Leute, so dass man sich meist per sms zum Abendessen verabredet (ich hab hier glaub ich schon mehr sms geschrieben als in meinem ganzen bisherigen Leben) und einfach in die Kantine geht und sich eigentlich drauf verlassen kann dass man da Leute findet die man kennt. Ansonsten lernt man eben neue kennen ;-).



Malacca (Malaysia)

Selamat tengah hari!



Malacca (oder Melaka auf englisch) – im 14. Jhd. die bedeutendste (und wohlhabendste) Handelsstadt der Region, Hauptstadt des Umlandes und Namensgeber für die Meeresstraße zwischen dem heutigen Malaysia und Sumatra. Melaka hatte ein hochentwickeltes politisches System (und Steuersystem) dass den sicheren und geregelten Ablauf des Handels sicherstellte und war die erste Region Südostasiens, die sich eine Verfassung gab. Wohlbekannt in China, Indien und Europa. So bekannt das die Stadt in den darauffolgenden Jahrhunderten nacheinander von den Portugiesen, Holländern und schließlich den Engländern besetzt wurde. Zwischenzeitlich, während des zweiten Weltkrieges, auch von den Japanern. Seit 1957 ist Malaysia unabhängig, doch Jahrhunderte der Fremdherrschaft haben das Land, und vor allem Melaka geprägt. Sowohl positiv als auch negativ. Heute ist Melaka eine Kleinstadt im Schatten der großen Nachbarn wie Kuala Lumpur und Singapur, die immer noch vom Glanz lang vergangener Zeiten zehrt, das historische Viertel und zahlreiche Museum locken Touristen an, die der Stadt bitter nötige Devisen bringen. Es ist eine Stadt die Ruhe, Freundlichkeit und Gemütlichkeit ausstrahlt und die mir sehr gut gefallen hat – aber vom einstigem Reichtum und der damaligen Bedeutung kann keine Rede mehr sein.



Vergangenen Freitagvormittag starteten Richard (ein Kiwi) und ich nach Melaka (der Rest war in letzter Sekunde abgesprungen, einige andere kamen später nach), erst mit dem Bus nach Johor Baru, dort durch die Grenzkontrolle und dann mit einem Langstreckenbus nach Melaka. Nach etwa drei Stunden Fahrt durch Palmenplantagen (ich weiß inzwischen dass sie der Palmen-Öl-Gewinnung dienen) erreichten wir die historische Stadt. Eine Freundin hier in Singapur, die vor ein paar Wochen in Melaka war hatte uns einen Tipp für ein tolles Hostel gegeben und tatsächlich bekamen wir dort die letzten beiden freien Betten für das Wochenende. Und das Hostel war wirklich genial (und das es auch noch billig war brauche ich inzwischen ja kaum mehr zu erwähnen).



Die Zimmer waren in ein- bis zweistöckige Hütten untergebracht, dazwischen befand sich ein Innenhof. Bananenstauden warfen ihren Schatten über Sitzgruppen aus Korbstühlen, ein kleiner Steg ragte in einen Teich in dem unglaublich viele Fische schwammen und irgendwo zwischendrin war eine Hängematte gespannt. Um zu unserer Hütte zu kommen mussten wir einen Torbogen durchqueren – auf Trittsteinen durch einen Fluss. Zwischen farbenfrohen tropischen Pflanzen saß meist irgendwo Playboy, ein schwarz-weißer Hase der sich regelmäßig Massageeinheiten von den Bewohnern abholte.



Ein Teil dieser Gemeinschaftszone war überdacht (aber nicht weniger begrünt) und bot weitere Sitzmöglichkeiten wie zum Beispiel den BarbecueTisch – nach dem Rad und der Gabel vielleicht die beste Erfindung die ein Mensch je gemacht hat (und übrigens dort selbsterdacht und gebaut): Tagsüber erscheint der BarbecueTisch wie ein gewöhnlicher, hübscher Steintisch mit teilweiser Holzverkleidung, doch nachts verschwindet die Verkleidung und es erscheint eine Feuerstelle und ein eingebauter Holzgrill . An der Wand neben dem BarbecueTisch befindet sich neben Frühstückszubehör (z.B. Kaja – leckerer Brotaufstrich aus Kokusmilch, etwas Nutella-ähnlich und Vegimite – nicht so lecker, erinnert an Oxo) eine stattliche Sammlung an Büchern, darunter auch viele Reiseführer aus der Region. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Dschungelduschen untergebracht – das Wasser kommt zwar aus einem herkömmlichen Duschkopf aber ansonsten erinnern diese stark begrünten, geräumigen Zellen kaum an normale Duschräume. Der Fußboden besteht aus einem großen, flachen Felsen, umgeben von kleineren Steinen zwischen denen das Wasser abfließt. An den Wänden wachsen tropische Pflanzen, die Handtuchhalter und Kleiderständer bilden. Von schräg oben strahlt die Sonne herein und zaubert früh morgens einen Regenbogen aus dem Duschstrahl. Hier duscht man selbst mit kaltem Wasser lange. Und das alles (Zimmer, Garten, Duschen, BBQTisch…) befindet sich auf einem Grundstück das keine 10m breit ist!



Die Kontaktdaten von diesem Traumhaus:

Emily's Traveller House
71 Jalan Parameswara
Bandar Hilir, Malaka 75000

Tel: 012 301 8574


Die ganze Anlage hat nur einen Nachteil: Sie ist einfach so toll dass man arg dazu verleitet ist einfach das ganze Wochenende im Hostel zu verbringen anstatt die Stadt zu besichtigen ;-). Trotzdem haben wir uns am Freitag abend nochmal auf den Weg gemacht und das historische Viertel, Little India und den Nachtmarkt von Chinatown erkundet. Letzterer war wirklich beeindruckend – deutlich größer als in Tanjung Pinang und Kuala Lumpur. Neben unzähligen Foodstalls (bin ja sonst kein Fischfan – aber da gabs einen Stand der hat unglaublich leckere Dinge aus Seafood gezaubert) gab es unendlich viele kleine Läden die traditionelle chinesiche Waren, Obst, Touristenkitsch, Budastatuen und allerlei Krimskrams verkauften. Auf dem Rückweg kamen wir am ältesten chinesischen Tempel Malaysias vorbei. Zwar waren die Besuchszeiten schon vorbei, aber durch die offenen Türen konnten wir von der Straße aus beobachten, wie die Gemeindemitglieder in einer singenden Prozession, Räucherstäbchen schwenkend durch die Tempelgebäude wanderten. Schließlich wanderten wir noch runter ans Meer. Zwar hat Melaka heute weder Hafen noch Strand, aber zum Bierchen trinken mit toller Aussicht war’s sehr gut geeignet.



Insgesamt ist Melaka deutlich gemütlicher und gelassener als die knapp 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Kuala Lumpur. Busse fahren nicht nach Fahrplan sondern wenn sie voll sind und sind ein Erlebnis für sich. Von KL’s motorisiertem Verkehrsaufkommen ist diese Stadt bisher verschont geblieben, dafür findet man umso mehr Tricycles. Diese sind liebevoll bis überladen dekoriert und oft tönen aus angebauten Radios malaysische oder amerikanische Lieder. Als „Westerner“ wird man meist gleich auf Englisch angesprochen das in der Bevölkerung sehr weit verbreitet ist. Aber Melaka ist keinesfalls eine Schlafstadt, natürlich schwirren auch hier die Rufe der Straßenverkäufe durch die Gassen und ohne Handeln geht gar nichts. Die Gebäude im historischen Viertel sind schon restauriert, ansonsten sieht aber der Großsteil der Stadt (wie in KL) schon so aus als könnte er neuen Putz und frische Farbe mal vertragen. Einige Hütten wirken schon stark einsturzgefärdet, wenn sie es nicht sogar schon sind. Zwar findet man nicht den Kontrast zwischen Petronas Towers und beinahe-Slums wie in KL, aber man sieht schon deutlich wohin das Geld der Tourismusindustrie fließt und wohin nicht.

Samstagmorgen beim Frühstück trafen wir noch einige weitere NUS’ler (der Tipp mit dem Hostel hatte sich rumgesprochen) und verbrachten dann die restlichen zwei Tage damit weitere Teile von Melaka und Umgebung kennenzulernen. Unter anderem das „Maritim Museum“ und das „Memorial of Independance“, beides kleine Museen. Beide vermittelten einen guten Eindruck über Melakas lange Geschichte von Hochs und Tiefs bis zum heutigen Tag. In meinen Augen vielleicht etwas subjektiv, aber wann ist Geschichte nicht subjektiv? Auf alle Fälle haben diese Museumsbesuche einiges zum Verständnis der Stadt und der Bewohner beigetragen und lieferten interessanten Stoff für die abendliche Diskussion…

Besonders gut gefallen hat mir auch die „Tempelgasse“ Melakas. Dort befinden sich direkt nebeneinader ein kleiner chinesischer Tempel, eine Moschee, der oben erwähnte älteste chinesische Tempels Malaysias und ein Buddha Tempel. Auf der anderen Flussseite stehen dann die christlichen Kirchen, die die Holländer gebaut haben. Besonders gut gefallen hat mir der Buddha Tempel mit den ganzen Statuen. Meist sind Buddhisten abgebildet wie sich inmitten der Natur (Z.B. auf einem Elefant sitzend) meditieren und dabei diesen typischen, etwas entrückten aber glücklichen Gesichtsausdruck haben. Dagegen muss es ja für einen Buddhisten geradewegs schockierend sein wenn er zum ersten Mal eine Christusfigur am Kreuz sieht…

Auch Melakas Umland ist durchaus einen Besuch wert. Mit dem Ziel eine tropische Fruchtfarm zu besuchen und ganz viel neues Obst kennenzulernen, unternahmen wir eine interessante, etwa 40minütige Busfahrt durch malaysische Dörfer. Viel Obst haben wir dann zwar nicht gesehen, die Fruchtfarm sah aus als wäre sie schon vor einigen Jahren mehr oder weniger sich selbst überlassen worden, aber dafür trafen wir in dem Dorf einen malayischen Physiker, der in Christchurch (Neuseeland) studiert hatte und heute einen kleinen Laden mit Outdoor/Armee-Utensilien betreibt. Gut möglich dass wir die einzigen Besucher an dem Tag in dem Laden waren (und haben noch nicht mal was gekauft). Aber der Mann war recht erfreut darüber mal wieder sein English auszupacken, insesondere da Richard ja aus Neuseeland kommt. Am Ende, als wir schon längst weitergegangen waren, tauchte er plötzlich nochmal aus der Menge auf und schenkte uns Aufstecker von der nahegelegen Kaserne. Sehr interessanter Mensch, aber das ist nicht mein Berufsziel aus Physiker…

Ein weiteres Highlight dieses Wochenendes war das Grillen am Samstag abend im Hostel – der BBQTisch in Aktion. Das Essen war absolut gigantisch. Es dauerte etwa von 7 pm bis weit nach Mitternacht und es gab gebratenen Reis mit Gemüße, stingray (Leo sagt Stachelrochen zu deutsch), Riesen-Shrimps, Hühnchen und Satay (Fleißspießchen mit Chili-Erdnuss-Sauce), dazu frischen Ananassaft (nebst Bier und Rum-Cola). Insgesamt befanden sich an dem Abend etwa 20 Gäste im Hostel und natürlich waren alle zum BBQ da. Hauptsächlich Europäer und Amerikaner und es gab unglaublich viele Reiseberichte zu hören. Auf die Frage „So how long have you been travelling around South-East-Asia?” kam durchaus öfter mal die Antwort “Hmmm…dunno. What month do we have….?....September? – Then it’s about a year know.” Da gab’s natürlich dann auch entsprechend viel zu erzählen und Reisetipps zu vergeben. Das zweite große Thema startete dann bei malayischer Geschichte, ging durch die komplette Weltpolitik des letzen Jahrhunderts und endete dann um drei Uhr morgens bei Zweitstimmen in deutschen Wahlen und amerikanischem Schulsystem. Es war äußerst interessant herauszufinden, wie verschieden die Sichtweisen sind, die in den verschiedenen Ländern in der Schule und auch später vermittelt werden.



Der Rückweg nach Singapur hatte noch eine kleine Komplikation, die sich dann aber als tolle Gelegenheit herausstellte im Angebot. An der Grenze gab unser Bus den Geist auf, aber statt in einer riesigen Menschentraube auf dem nächsten zu warten, beschlossen wir stattdessen den Causeway (Brücke nach Singapur) per Fuß zu überqueren. Das ist zwar ein ganzen Stück zu laufen, immerhin ist das ja kein Fluss zwischen Singapur und Malaysia sondern offenes Meer aber gerade während wir an der langen Autoschlange vorbeiliefen, ging gerade hinter uns über Malaysia die Sonne unter – toller Anblick. Wir waren auch nicht die einzigen mit dieser Idee, eine ganze Schlange am Menschen wanderte über diese Brücke, mit Mopeds die teilweise einfach durch die Menschenmenge kurvten um sich den Stau zu sparen. Schon ein bisschen wie wenn man im Fernsehen Bilder von einer Grenzöffnung sieht ;-)


Mittwoch, 3. September 2008

Riau Islands, Indonesia




„Selamat siang“ – so sagt man „Guten Tag“ auf Indonesisch. Allerdings nur zwischen 12 und 14 Uhr. Davor sagt man „selamat pagi“ und danach „selamat sore“. Ausgesprochen wie man’s schreibt. Mein erster Trip nach Indonesien ist zwar nun schon eine gute Woche her, aber neben unglaublich vielen Eindrücken, Erinnerungen und Bildern sind auch noch ein paar Worte indonesisch hängengeblieben. Und etwas Sonnenbrand und traumhafte Muscheln. Aber vielleicht sollte ich von vorne anfangen…



Vom 22. bis 25. August war ich mal wieder mit einer Gruppe Exchangestudents unterwegs. Da man sich hier drauf verlassen kann, dass sämtliche Lecture notes und sonstige wichtige Informationen online sind, verleitet es eben etwas dazu gleich von Freitag bis Montag wegzufahren ;-). Zwei aus der Gruppe waren auch schon in Doha und Kuala Lumpur dabei, den Rest habe ich im Wesentlichen erst im Rahmen des Indonesientrips kennengelernt. Hauptziel unserer Reise war Pulau Bintan (Pulau heißt Insel). Auf Pulau Bintan liegt Tanjung Penang, die Hauptstadt der Riau Islands, eine indonesische Inselgruppe die nur ein bis zwei Bootsstunden von Singapur entfernt liegt. Auf einer Indonesienkarte betrachtet ist diese Inselgruppe kaum zu finden, was aber weniger an der Größe dieser Inseln liegt (Pulau Bintan dürfte etwa 50 x 80 km² groß sein, also deutlich größer als Singapur) sondern vielmehr an der unglaublichen Größe Indonesiens.



Vom Deck der Fähre die uns nach Tanjung Penang brachte, hat man einen schon eine Ahnung von den Dimensionen dieses Landes bekommen: Nachdem man die riesigen Tankerkolonnen die vor Singapurs Hafen warten verlassen hat, sieht man, wohin man auch schaut, erst einmal eine ganze Weile lang Meer mit nur hin und wieder einem kleinem traditionellen Schifferboot das auf den Wellen schaukelt, und dann im Hintergrund aber grüne Inselnketten mit tropischen Regenwald, die sich über den ganzen Horizont erstrecken.



Die Fahrt dauerte immerhin zwei Stunden, und ständig tauchten neue Inseln auf. Und das gehörte alles noch zu den Riau Islands, wie gesagt eine Inselgruppe die man auf einer Indonesien Landkarte kaum finden würde.

Nachdem wir in Tanjng Penang angekommen waren, verbrachten wir den Abend damit die Stadt zu erkunden. Nachdem diese Stadt nur sehr wenige Touristen sieht, war es zunächst eine Herausforderung überhaupt so etwas wie einen Stadtplan aufzutreiben, aber nach einigem Suchen fanden wir soetwas wie eine Touristinfo, wo wir dann auch gleich alle sofort im Gästebuch unterschreiben mussten und damit wahrscheinlich die Existenz dieses Büros für die nächsten drei Jahre gesichert haben.



Die Stadt erstreckt sich größtenteils entlang des Ufers und so bietet es sich an am Ufer entlang zu schlendern, wo man auch wieder jede Menge Straßenverkäufer und Foodstalls mit total leckerem Essen findet. Von den Einheimischen wird man begeistert mit „Hello Mister, hello Miss“ begrüßt, allerdings sind das die einzigen englischen Wörter die die allermeisten können. Kommunikation verläuft also mehr mit Händen und Füßen und gelegentlichen blättern im „Lonely Planet“ – Reiseführer der im Anhang einige nützliche Wörter und Redewendungen aufgelistet hat. Die Einheimischen lassen sich jedoch von diesen Kommunikationsschwierigkeiten keinesfalls abschrecken. Man bekommt alles einfach so lange erklärt bis man so schaut, als hätte man das Wesentliche verstanden. Zur Not wird jemand losgeschickt, jemanden zu holen, der jemanden kennt, der jemanden kennt, dessen Sohn in der Schule englisch lernt.



So haben wir dann doch erfahren, aus was das leckere Essen aus dem Foodstall besteht, wie man es isst, wie man zum night market kommt und haben sogar eine Einladung zu einer Karaoke-bar bekommen. Dort blieben wir zwar nicht sehr lang, wollten ja noch den Rest der Stadt sehen aber es war eine prima Gelegenheit was mit ein paar „locals“ zu unternehmen.



Obwohl Tanjung Pinang doch einige Gemeinsamkeiten mit Kuala Lumpur hat (hier sind Mopeds auf denen wirklich alles, z.B. 4 Kinder auf einmal, transportiert werden noch üblicher als in KL) ist es eigentlich nicht zu vergleichen. KL ist eine multinationale Großstadt, Tanjung Pinang ist dagegen eine Provinzhauptstadt in der es nachts meistens gar keinen Strom oder nur in den Hotels Strom gibt. Die Armut ist schon allgegenwärtig, man sieht einige Kleinkinder auf der Straße betteln, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es eine sehr lebhafte, bunte Stadt die sich über Besucher unglaublich freut. Ältere Leute, die total fassungslos nach deiner weißen Haut langen und sie kneifen, sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber ansonsten fühlt man sich schon voll und ganz willkommen.

Am nächsten morgen, wir waren gerade auf dem Weg zum Hafen, fiel uns dass auf der am Tag zuvor noch stark befahrenen am Ufer entlang führenden Straße kein einziges Auto und auch kein einziges Moped mehr zu sehen war. Stattdessen war die Straße gesäumt mit mit Menschen allen Altersklassen, die ganz offensichtlich auf irgendetwas warteten.



Kurz darauf erfuhren wir dann den Grund. Genau an diesem Tag fand in Tanjung Pinang die Parade zur indonesischen Unabhängigkeit statt. Und was für eine Parade! Eigentlich wollten wir ja schnell zum Hafen und waren extra früh aufgestanden aber diese Parade war es definitiv Wert Pläne zu durchkreuzen.



Tanjung Pinang ist eine relativ kleine Stadt, die eigentlich kaum den Namen "Stadt" verdient und ist praktisch die einzige größere Siedlung auf der ganzen Inseln (mit Ausnahme einiger touristischer Bereiche im Norden). Aber die Parade hätte sich durchaus auch in einer Großstadt sehen lassen können. Es muss faktisch die ganze Stadt auf den Beinen gewesen sein, es ist eigentlich erstaunlich dass noch welche zum Zuschauen übrig waren. Neben Musikkapellen und vielen Gruppierungen in militärischen Stil gab es unglaublich viele farbenfrohe Gewänder zu bewundern. Kinder, Männer, Frauen, Jugendliche, Senioren... (man beachte das Handy auf dem Bild ;-)). Übrigens waren auch Pfadfinder dabei. Und am Straßenrand dann jede Menge Straßenverkäufer, die Essen, Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten lauthals anbieten. Besonders beliebt sind neben gerösteten Bananen und Mais natürlich vor allem Fisch, der direkt aus dem Meer in ein Bananen-stauden-blatt und dann auf den Rost wandert.



Und eine richtig schöne, fröhliche, ausgelassene Stimmung dabei. Da in Tanjung Pinang nur sehr wenige "Westler" zu finden sind, zogen wir jedoch als Zuschauer fast ebensoviele Blicke auf uns wie manche Teile der Parade ;-).

Schließlich ging’s in einer recht abenteuerlichen Fahrt in einem kleinen Fischerboot (natürlich nicht ohne vorheriges aushandeln des Preises, was etwas erschwert ist wenn man die Sprache nicht kann und die Währung eine so starke Inflation durchgemacht hat dass die Finger zum zeigen nicht ausreichen, 1€ = 10 000 Rupia) nach Pulau Penyengat, eine kleine Insel vor der Küste Pulau Bintan’s. Es war eine Zeitreise in die Vergangenheit.



Das Ufer ist gesäumt von Holzhütten, die auf Stelzen ins Meer hinaus gebaut sind, der traditionelle Baustil der Gegend. Im Inland befindet sich jede Menge Regenwald, zwei beeindruckende Moscheen, ein muslimisches Gemeindehaus und das Grab eines Sultans und ein chinesischer Tempel. Das ziemlich verregnete Wetter verhinderte den Postkarten-Himmel auf Fotos, war aber ansonsten nicht so dramatisch, es war ja warm. Der Versuch, in einem der Tante-Emma-Läden auf der Insel einen Regenschirm zu erwerben, scheiterte kläglich…

Am Nachmittag fuhren wir an die Ostküste Bintans (mangels öffentlicher Verkehrsmittel per Taxi, ca 3€ pro Person für etwa eine Stunde Fahrt ;-)). An der Ostküste hat man dann erst mal das Gefühl jetzt auch noch den letzten Rest Zivilisation hinter sich gelassen zu haben. Größerer Ortschaften gibt es nicht, an der Küste gibt es einige kleine Dörfer und einige Bleiben für Reisende. Der Rest in Natur – traumhafte Sandstrände mit Kokosnusspalmen (definitiv kein importierter Sand wie auf Sentosa!), warmes, kristallklares Meer, unbewohnte Inseln vor der Küste… Unsere Bleibe dort war ein auf Stelzen gebautes Holzhaus direkt am Strand. Hier ein Bild davon und der Blick aus dem Fenster...






Eine Adresse die man sich für die Zukunft also vielleicht merken sollte, auch wenn sie nicht im Lonely Planet steht:

Travellers Lodge Inn
Pondok Wisata / Susy
Trikora 2, KM 42

Tel. 081372876196

Da wir insgesamt zu siebt waren, hatten wir praktisch das ganze Haus für uns. Ein paar Meter landeinwärts stand die Hütte der Familie die diese Bleibe betreute, dort gab es dann auch Mahlzeiten und jederzeit Info und Rat. Am Abend trafen wir dann bei einem Strandspaziergang noch auf eine Gruppe von etwa 20 Briten von der NUS (meine Uni hier) die lustige Trinkspiele veranstalteten…

Sonntag Vormittag ging’s dann auf eine der unbewohnten Inseln vor der Küste (Berelas Pasir), nachdem Peter (ein Pole aus unserer Gruppe, dem dass ständige Handeln inzwischen richtig Spaß macht) es geschafft hatte uns einen Boottrip dorthin (und zurück) für etwa 3€ pro Person zu organisieren (aber das war nur unter der Bedingung dass wir es nicht den Briten weitererzählen dass wir die Tour so günstig bekommen haben). Die Insel war dann auch absolut genial.



Unbewohnt, traumhafte Sandstrände, das Meer zum schwimmen, rumalbern und schnorcheln…. Da habe ich mir übrigens auch meinen Sonnenbrand geholt. Die Bootsfahrt war an sich schon ein Erlebnis wert. Das Boot war nicht viel mehr als eine Nussschale mit einem Motor außen drangeklebt, mit nicht genug Bänken für uns alle zum hinsetzen, jede Menge Wasser unten drin und jede Menge mehr das während der Fahrt reingeschwappt ist. Insgesamt sind wir ordentlich nass geworden während der Fahrt – aber das war eine willkommene Abkühlung nachdem vom Regenwetter des vergangenen Tages keine Spur mehr übrig geblieben war. Strahlend blauer Himmel.

Am Nachmittag fuhren dann einige Leute, die der Meinung waren, sie müssten am Montag in die Uni, wieder ab und ich blieb mit Peter und Michael (der auch schon in Doha dabei war) noch dort. Auf dem Rückweg von einem langen Strandspaziergang kamen wir durch ein kleines Dorf. Auch hier wurden wir herzlichst begrüßt. Einige Leute kamen durch das halbe Dorf gelaufen, nur um uns die Hand zu schütteln: „Hello Mister, Hello Miss“. Da wir inzwischen ein „Selamat sore!“ erwidern konnten ernteten wir sehr glückliche Gesichter, sehr viel Lob für unsere Aussprache und wurden überhäuft mit indonesischen Wörtern die wir noch gebrauchen könnten. Schließlich, nachdem wir noch in einem total genialen Tante-Emma-Laden der vielleicht 10qm groß war aber absolut alles hatte, noch indonesische Süßigkeiten für ein paar Cent (oder ein paar tausend Rupia) gekauft hatten: „Salamat Jalan!“ – Gute Reise. Und dazu vermutlich sämtliche Kinder aus dem ganzen Dorf die uns zuwinkten, als wir das Dorf verließen.



Motiviert von diesem Erlebnis verbrachten Peter und ich den ganzen Abend damit von den Wirtsleuten („Boss“ und „Miss Anni“, s.Bild oben) noch mehr indonesische Wörter zu lernen – und ihnen im Gegenzug etwas Englisch beizubringen. Das Resultat ist dass ich jetzt bis 1 Million zählen kann (bitter nötig bei dieser seltsamen Währung und in einem Land in dem man eigentlich IMMER handeln muss wenn man etwas haben möchte) und auch sonst noch einige Redewendungen dazugelernt habe. Das erstaunliche daran ist, dass ich sie sogar noch heute, gut eine Woche später, immer noch weiß. Praktisch ist auch, dass das Indonesische dem Malayischen sehr ähnlich ist – kann man also das eine wird man auch in dem anderen Land verstanden. Sehr praktisch. Außerdem haben wir auch einiges über die Geschichte und Kultur Indonesiens gelernt. Viel mehr als ich jetzt hier aufschreiben kann, und unglaublich interessant. Es ist faszinierend mit wie wenig Wörtern man doch komplexe Zusammenhänge erklären kann. Z.B. Zitat vom „Boss“: „We muslim. No Osama bin Laden“. Unglaublich einfach aber unglaublich aussagestark, vor allem in einem Land, dessen Tourismusindustrie gerade in den Anfängen erstickt, wegen Tsunami und Islamaphobia. Außerdem habe ich jetzt eine ganze Liste von Inseln und Orten in Indonesien die ich noch besuchen willen. Zum Beispiel eine Insel östlich von Java, wo die „Komodo Dragons“ heimisch sind – Urechsen die gut 100 Kilo schwer werden können. Dagegen gibt es auch Orte wo man lieber nicht hinsollte – z.B. weil dort Kannibalismus praktiziert wird. Aber bei einem Land dieser Größe, mit über 13000 Inseln die teilweise sehr isoliert von der Außenwelt leben, ist es nur natürlich dass man sehr, sehr verschiedene Landschaften, Vegetation, Tierwelten und Kulturen findet.




Am Montag machten wir schließlich noch eine Fahrradtour ins Binnenland und fanden uns schon nach wenigen Metern mal wieder in einer komplett anderen Welt wieder. Rote Sandwege führen durch Buschland, weite offene Grasflächen und Seenlandschaften mit unglaublichen kristall-klaren Wasser.





Menschen trifft hier kaum, hin und wieder ein Süßwasserfischer auf dem Moped auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte. Wo die Vegetationsdecke fehlt, sieht sofort die Spuren von unglaublich starker Erosion. Der rote Sandboden hat den für die Gegend üblichen Regenfällen nicht viel entgegenzusetzen.



Alles in allem eine wunderschöne, wilde Landschaft und sehr anders als alles, was ich bisher gesehen habe.
Schließlich jedoch: „Salamat tinggal“ („Tschüß“ wenn man selber geht) . Selamat tingal zu Boss und Miss Anni, zu unserem Holzhaus, zu den Kindern vom Dorf, zu Pulau Bintan und zu Indonesien. Garantiert ein Land das ich noch öfters besuchen werde.