Samstag, 3. Januar 2009

Kratie, Cambodia



Kratie – ein verschlafenes Provinzhauptstadtchen im Nordosten Cambodias, man muss schon gut aufpassen um den kleinen Markt, umgeben von ein paar Internetcafes, ein paar Hostels, ein paar kleineren Geschaften und ein paar Bauten im franzosischem Kolonialstil uberhaupt zu entdecken inmitten dieser Landschaft von Reisfeldern. (Die Kuehe, denen man mitten auf der Hauptstrasse ueber den Weg laeuft, scheinen des oefteren nicht zu merken, dass hier die Reisfelderlandschaft kurz unterbrochen ist.) Und diese Landschaft, gepragt auch durch den Mekong, dessen Gesicht alle paar Kilometer wechselt, mal trage dahinstromend, mal zwischen hunderten von Inselchen hindurchsprudelnd und die darin zu findenden Dorfchen sind der eigentliche Grund warum wir hier gelandet sind. Und natuerlich die Menschen die hier leben.





Kaum aus dem Bus gestiegen, erlebten wir schon die erste Uberraschung: „Ms Valerie, Mr. Sebastian, welcome to Kratie!“g. Das war unsere erste Begegnung mit Ben, der fur die nachsten Tage unser Universalguide fur Kratie und Umgebung werden sollte. Egal was an gerade brauchte, irgendwie war Ben immer zur rechten Zeit am rechten Ort und konnte das Fahrrad, Motorrad, Hostel, Busticket... organisieren – mit Niedrigstpreis-garantie. Unsere Namen kannte er, da wir bei dem Homestay eine Australierin kennengelernt hatten, die am Vortag hier eingetroffen war. Und naturlich auch prompt uber Ben gestolpert war.





Auf alle Falle hatte Ben einen Cousin, der ein Moped hatte – und damit war klar was wir am nachsten Tag machen wurden. Es gibt hier fur die Gegend ein ziehmlich gutes, sehr neues Ecotourism Project (www.mekongdiscoverytrail.com). Es ist so neu, das es eigentlich noch gar nichts wirklich existiert aber es gibt ein hervorragendes kleines Infoheftchen mit Landkarten (ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben sowas hier unten je zu bekommen – das Konzept schien einfach unbekannt) und Routenvorschlagen. Also gings am nachsten Morgen los, mit einer Faehre (auf der wir ein paar lustige cambodische Telekom Mitarbeiter trafen) ueber den Mekong, dann das Ostufer hoch, wieder eine Faehre zurueck (diesmal waren unter anderem ein paar Kids drauf, fur die unser kleines Mekondiscoverytrail-heftchen der absolute Hit war mit den bunten Bildchen) und dann zuruck nach Kratie. Vor allem die Fahrt auf dem Ostufer war fantastisch. Und bestimmt haben sich meine Mopedfahrkunste verbessert. Zu Begin war die Strase noch eine ordentlich rote Dirt Road, breit genug fur die zahlreichen Pferde-, Ochsen- und Wasserbuffelkarren die dort unterwegs waren.



(Sehr lustig war allerdings der Anblick eines Wasserbuffelgespanns, das von der Strase abgekommen war und gegen einen Baum gefahren war – ein Buffel links vom Baum, einer rechts – da ging nichts mehr vor und zuruck ;-).) Aber bald wurde die Strase mehr zu einem sandigem Trampelpfad, so dass das Ganze doch recht holperig und rutschig wurde. Gestreikt habe ich aber erst als die Bruecken dann nur noch aus ein paar Holzplanken bestanden, die jemand uber einen recht tiefen Abgrund gelegt hatte, wo sich ein Nebenfluesschen des Mekong seinen Weg durchs Gelande geschnitten hatte. Naturlich ohne Gelander. Da durfte Sebastian dann fahren. Mir war schon der steile staubige Trampepfad der da zur „Bruecke“ hinunterfuehrte zu viel fur meine doch noch recht ungeubte Fahrweise.



Auch die Landschaft durch die wir fuhren war absolut fantastisch. Zur rechten immer der Mekong, wobei der auch immer wieder anders aussah. Mal unglaublich breit und langsam, manchmal mit kleinen Fischerbotchen oder floating villages drauf, oft an teils schlammigen, teils staubig-sandigen Ufern Kids die Wasserbueffel zum Baden und Trinken an den Fluss trieben, teilweise gespickt mit hunderten von grunen Inselchen, die teilweise gar keine richtigen Inseln waren sondern nur die Spitzen der Baumkronen von Baumen, die um diese Jahreszeit noch unterwasser stehen. Letzeres gibt einem doch eine kleine Vorstellung davon, wie das ganze Land hier aussieht wenn Regenzeit ist.





Zur linken Seite die Reisfelder und dieses unendlich weite, flache Land. Uberall auf den Felden Kids die die Kuhe und Wasserbueffel huten. Dazwischen, entlang der Strase immer wieder kleine Holzhutten in der traditionellen Bauweise auf Stelzen. Kinder, die davor arbeiten und spielen, und winkend und rufend herausgerannt kommen wenn wir vorbeifahren „Hello, hello!“. Auch die alteren Menschen sind oft auf dem staubigem Grund vor ihren Hutten zu finden, kochen Palmensirup aus, rupfen ein Huhn, waschen die Wasce, bringen dem jungsten bei wie man „Hello“ sagt wenn wir vorbeifahren. Und wer gerade im Haus ist, streckt oft den Kopf aus der immer offenen Tur wenn wir vorbeifahren, lachelt und winkt. Sowieso findet das Leben tagsuber hier meist vor und unter den Hauern statt (und naturlich auf den Feldern), selten in den Hausern. Ist sicherlch auch ein Folge des warmen Klimas, in den meisten Hausern wird man vermutlich geroestet tagsuber.



Mittags kommen dann die Schulkinder nach Hause, die schmale, staubige Strase ist plotzlich uberfluted von Kids in der hier ublichen blau-weisen Schuluniform. Weises Hemd, dunkelblaue Hose, barfus – so sind die meisten unterwegs. Zu Fus, oder eben zu funft auf einem Fahrrad. Und alle funf schaffen es irgendwie zu winken wenn wir vorbeifahren. „Hello! What your name? Where you from?“
Beeindruckend fand ich auch einen kleinen jungen, vielleicht 6 Jahre alt, der seinen Wasserbuffel aus dem Mekong raus und nach Hause brachte. So ein ausgewachsener Wasserbuffel wiegt schon so ein paar hundert Kilo und ist einfach deutlich groser und starker als so ein kleiner Junge. Und der Wasserbuffel ist eigenlich ganz gerne da im schlammigen Wasser des Mekongs. Aber dieser kleine, splitternackte Junge schmeist sich ins Wasser, klettert dem Buffel auf dem Rucken, und mit einer Mischung aus „an den Hornern packen“,„?Ho-rufe“ und Schlaegen auf das Hinterteil des Tieres schafft es innerhalb von Sekunden das sich dieses Tier was da schon so lange traege badet, plotzlich mit erstaunlicher Geschwindigkeit ab nach Hause macht, der Junge immer noch hinten drauf.



Die Stelle an der die Faehre zuruck ans Westufer ablegte hatten wir beinahe verpasst, hatte Sebastian nicht aus den Augenwinkeln ein Boot an den staubigen Uferbanken liegen sehen. An der Strase war keinerlei Schild angebracht – wozu auch, alle die diese Fahre benutzen wissen wo sie abfahrt, weil sie sie schon ihr ganzes Leben lang benutzen. Die Uberfahrt war gerade an einer Stelle wo unzahlige Inselchen das Flussbett spickten, und somit fur sich schon ein Erlebnis. Hinzu kamen ein paar Kids, die am Anfang recht schuchtern waren aber sich im Laufe der Uberfahrt aber immer mehr trauten, und ihre paar englischen Satze auspackten. Am beeindruckensten fand ich allerdings einen Jungen, der eigentlich kein Wort Englisch sprach aber ein unglaubliches Talent dafur hatte mit ein paar simplen Gesten recht komplexe Satze sehr verstandlich auszudrucken.

Die Ruckfahrt am Westufer des Mekongs, auf einer geteerten Strase, hatte vor allem ein Highlight: Delphine gucken in Kampi. Bereits vom Ufer aus konnten wir ein Finne eines Mekong River Dolphins auftauchen sehen, also beschlossen wir das es der Bootstrip wert ware, um einen besseren Blick auf diese seltenen, und vom Aussterben bedrohten Suswasserdelphine zu bekommen. Und tatsachlich, unser Bootsmann hatte ein richtiges Talent dafur zu erahnen, wo die Tiere das nachste mal zum Luftholen auftauchen wurden und navigierte zielsicher mit wenigen Ruderschlagen durch die teilweise recht starken Stromungen um uns moglichst nah an die Tiere heranzubringen. Eine Stunde lang kurvten wir so zwischen den Inselchen auf diesem gigantischen Fluss herum, und haben zigmal Delphine zu Gesicht bekommen. Gegen Ende der Stunde ging gerade die Sonne unter – Delphine im Mekong vor dem Sonnenuntergang, was will man mehr ;-).



Dienstag legten wir dann endlich mal einen richtigen Ruhetag ein, um uns von den ganzen kleinen Wehwehchen der Reise zu erholen. Wir hatten uns beiden zwischenzeitlich eine recht ordentliche Erkaltung eingefangen, dazu eine Magenverstimmung und ich hatte an einem unserer letzten Tage in Siam Reap noch eine recht unsanfte Kollision mit einem Moped, aus der sehr eindeutig hervorging dass das Moped starker war als ich. Ich hatte Riesengluck und kam mit ein paar Schurfwunden, einem leichtem Schleudertrauma und einem sehr schmerzhaften Steisbein (und einem Loch in meinem einzigem Pulli!) davon, bin also inzwischen vollig auskuriert. Auserdem entdeckten wir an dem Tag den Bananmenschen, direkt gegenuber von unserem Hotel. Der verkauft Mini-bananen, ummantelt mit sticky rice, eingewickelt in ein Bananenblatt und dann gegrillt – hmmmmm.




Am Mittwoch mieteten wir uns Fahrrader und setzen mit einer Fahre uber zu einer Insel im Mekong, direkt vor Kratie. Die Menschen dort leben hauptsachlich von Reisanbau und Fischfang, ein recht typisches Bild also inzwischen. Von der Sudspitze der Insel hat man einen recht guten Blick auf das „vietnamese floating village“g, eine Gruppe von auf dem Mekong schwimmenden Holzhausern die von Fischern vietnamesischer Abstammung bewohnt werden.
Am Nachmittag startete ich mal wieder einen vergeblichen Versuch Duschgel zu kaufen (ich glaube das gibt’fs hier einfach nicht, ich suche schon seit 3 Tagen :( ! ) , und Sebastian ist jetzt mit seinem Tagebuch nur noch eine Woche hinterher ;-) und versuch sich verzweifelt zu erinnern was wir da gemacht haben.



Am abend war Sylvester, in einer Bar am Mekong fanden wir einen genialen Cocktail namens "Muddy Mekong", und genauso sah diese Bailey-Cola Mischung dann auch aus. Gerade so schafften wir es bis um 12 aufzubleiben ;-), am naechsten morgen gings auch schon los richtung Laos. Hier sind wir jetzt seit 3 Tagen auf einer Insel auf dem Mekong, geniessen in der Haengematte den Sonnenuntergang vor unserer Basthuette, erkunden die Insel, fahren mit dem Kajak den Mekong runter... aber dazu spaeter mehr. Morgen geht's weiter nach Pakse.

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