Montag, 5. Januar 2009

Si Phan Don, Laos



Si Phan Don, wörtlich übersetzt „4000 Inseln“, und das ist eine sehr zutreffende Beschreibung für diese Region. An der Grenze zu Cambodia spaltet sich der Mekong, von Norden kommend, hier auf einer Breite von 14 Kilometern (!) in zig mehr oder weniger mächtige Flüsschen und Flüsse auf um sich dann weiter südlich, in Cambodia, wieder zu einem mächtigen Strom zu vereinen. Die zahlreichen Teilflüsse werden dabei durch unzählige Inseln getrennt, teilweise sind diese mehrere Quadratkilometer groß und bewohnt, teilweise sind es nur kleine Sandbänke, auf denen höchstens Wasserbüffel und Vögel wohnen und teilweise sind es zumindest um diese Jahreszeit eher Baumwipfel die da aus den Wassermassen ragen. Wieviele Inseln es nun wirklich sind, lässt sich kaum sagen, das ändert sich von Tag zu Tag. Ein Local sagte uns, am Ende der Regenzeit wären es um die 2000, zur Trockenzeit gut über 4000. Von den 2000, die ganzjaehrlich über Wasser liegen, ist nur ein kleiner Bruchteil bewohnt, die Familien dort leben hauptsächlich von Fischfang, aber auch Reisfelder, Wasserbüffel und Hühner sind weit verbreitet.


Die Grenze zu Laos von Cambodia kommend war schon ein sehr menschenleeres Fleckchen Erde. Unser rechtüberfüllter Minivan mit recht kaputten Sitzgelegenheiten ruckelte schon eine ganze Weile auf der schmalen Straße mit links und rechts nur Wälder, Büsche und Grasland als plötzlich eine rot-weiße Schranke den Weg zwar nicht verperrte, aber doch darauf hindeutet das hier zu halten wäre. Die Grenzbeamten in winzigen Holzhäuschen daneben stempelten gegen eine „stamping fee“ von einem dollar unsere visas ab, hundert meter weiter auf der Laos Seite dann das gleiche Spielchen. Auser dem Minibus der auf der anderen Seite für uns bereitstand weit und breit kein Verkiehrsmittel zu sehen.


Noch eine kurze Minibusfahrt nach Ben Nakasang, von dort aus mit der Fähre über ein paar Teilflüsse des Mekong und wir waren an unserem Ziel, Don Det, einer kleine Insel mitten im Mekong angelangt. Die Nordspitze der Insel besteht de facto nur aus Bungalows, Restaurants und Tour Operators und bestätigt mal wieder die Theorie das Touristen nun mal da zu finden sind, wo es am schönsten ist. Nur ein paar hundert Meter südlich dagegen ist von dem ganzen Trubel nichts mehr zu spüren, statdessen kleine Dörfchen inmitten von Reisfeldern, so muss es auf der ganzen Insel gewesen sein bevor die ganzen Touris auftauchten mit ihren Dollars und ihren „Happy“ Drinks. Unsere Hütte lag irgendwo dazwischen, recht weit draußen aber doch mit den Restaurants noch in gut erreichbarer Nähe. Eine kleine Basthütte, auf Stelzen an das Ufer des Mekongs gebaut, der Balkon mit 4 Hängematten nach Westen, perfekt für den Sonnenuntergang über den tausend Inseln.



Südlich von Don Det liegt Don Khon, mit Don Det über eine alte Eisenbahnbrücke verbunden. Diese stammt noch von den französischen Kolonialherren, die den Mekong zur Handelsstraße ausbauen wollten und mit einer Eisenbahn eine Strecke des Mekongs überbrücken wollten die aufgrund von Wasserfällen für Schiffe absolut unpassierbar war. So richtig mit Erfolg gekrönt war dieser Plan nicht, aber die Brücke ist geblieben und so kann man die beiden Inseln und noch zwei weitere, kleinere die mit Don Khon über kleinere brücken verbunden sind wunderbar zu Fuß erkunden.




Der Weg über staubige kleine Straßen durch die Reisfelder hindurch lohnt sich, die Wasserfälle die man an beiden Ufern Don Khons sehen kann sind wirklich beieindruckend. Unglaublich Wassermassen stürzen sich hier über eine breite Gesteinsfront in die Tiefe, auf halber Höhe zwischen die Felsen geklemmt sind Bambuskonstruktionen, die die Locals zum Fischfang errichten. Jeder nicht Einheimischer würde vermutlich bei dem Versuch da hinaufzuklettern ums Leben können, aber die Fischer leeren ihre Fallen täglich. Einen noch etwas größeren Wasserfall sahen wir am nächsten Tag, auf einer Breite von 1 km stürzt der Mekong hier 15 Meter in die Tiefe, es ist der größte Wasserfall Südostasiens. Etwas weiter südlich fanden wir einen wunderschönen, breiten Sandstrand, und wenn man über die Felsen ein paar Buchten weiterkletterte hatte man die ganze Bucht für sich. Perfekt für ein erfrischendes Bad im Mekong.







Auf dem Rückweg ging Sebastian Wasser kaufen und kam nicht nur mit einer Flasche Wasser, sondern auch mit einem jungen Hund zurück, der freudig um seine Beine sprang. Die Besitzerin versuchte noch eine Weile den Hund zurückzuhalten, aber der wollte davon nichts wissen sondern schlabberte munter an unseren Beinen. Vielleicht mochte er DEET Antimückenmittel? Schließlich gab sie resigniert auf, und winkte uns wir sollten weitergehen, wohl in dem Glauben der Hund würde nach ein paar Metern schon zurückkehren. Das dachten wir auch, aber als wir die Brücke nach Don Det überquerten, hatten wir immer noch den Hund dabei. So süß er auch war, wir wussten ja dass er ein Zuhause auf Don Khon hatte also mussten wir ihn irgendwie zum Umkehren bewegen. Wir versuchten wirklich alles – Anschreien, Ausschimpfen, mit Steinen und Stöcken bewerfen. Sebastian packte ihn sogar (der Hund ließ sich widerstandslos hochheben, seine Besitzerin durfte das nicht) und schmiss ihn 2 Meter durch die Luft. Der einzige Effekt des ganzen war das der Hund sich auf den Bauch legte und die Pfoten von sich streckte „Ja, du bist der Boss“. Na toll. Das einzige was ein bisschen Effekt zeigte war an einer besonders staubigen Stelle des Weges mit unseren Schuhen den Staub aufzuwirbeln und nach dem Hund zu kicken, aber selbst danach hustete er zwar erbärmlich, hielt aber nur vorübergehend 10 Meter Sicherheitsabstand. Ansonsten lief er perfekt bei Fuß und gehorchte Sebastian auf's Wort – bloß das mit dem nach Hause schicken verstand er nicht. Selbst als wir andere Hunde trafen, ließ er sich davon nur kurz ablenken und kam uns dann sogleich wieder hinterhergerannt. Wir versuchten ihn auch anderen Touris, die in die andere Richtung liefen anzudrehen, aber davon wollte er nichts wissen. Als wir 2 km später an unserer Hütte ankamen hatten wir immer noch den Hund dabei. Auf unsere Terasse führte allerdings eine steile Leiter hoch, und der Sprossenabstand war ungefähr so groß wie der Hund lang war. Zumindest jetzt dachten wir, würde er aufgeben und zurück nach Hause laufen. Also lagen wir erschöpft in unseren Hängematten, hörten von unten ein leises, aber herzzerreissendes Jaulen, dann Stille. Erleichtert atmeten wir auf, auch wenn wir ihn schon etwas vermissen würden, unseren neuen Begleiter. Plötzlich, taps-taps und ein freudig winselndes, schwanzwedelndes Fellbündel sprang über unseren Balkon. Nachdem er sich versichert hatte dass die ganze Herde da war, legte er sich unter den Tisch und schlief, während vor dem Balkon gerade die Sonne unterging. Langsam waren wir uns nicht so sicher, ob er alleine nach Hause finden würde, er war nun doch ein recht weiter weg und war schon noch sehr jung.




Am Ende half alles nichts, im Dunklen machten wir uns nochmal auf den Weg nach Don Khon um den Hund zurückzubringen. Der lief auch die ganzen 2 km wieder recht brav bei Fuß, nur zweimal mussten wir ihn aus einem Restaurant wieder rausholen, da hatte ihn wohl doch der Hunger gepackt. Zu Hause angekommen, wusste der Kleine auch gleich wieder wo er hingehörte und lief zielstrebing ins richtige Haus und versuchte dann auch nicht mehr, uns wieder zurück zu folgen. Und obwohl wir drüber erleichtert waren dass er jetzt wieder zu Hause war, war er schon ein toller treuer Begleiter für den Abend.

Am nächsten Tag, Sebastians Geburtstags, mieteten uns Kajaks inclusive Guide um den Mekong und die 1000 Inseln aus der Nähe erkunden zu können. Am Ende waren wir zu viert, die Frau unseres Führers kam auch noch mit, mit 2 zweier Kajaks. Und der Mekong ist wirklich genial zum Kajakfahren. Die Landschaft mit den ganzen Inseln ist einfach fantastisch, und obwohl wir zur Trockenzeit unterwegs waren, musste man nicht sonderlich auf Felsen unter Wasser achten (nicht das man sie gesehen hätte, bei der Farbe des Wassers..) sondern konnten relativ der Nase nach zwischen den Inseln hindurch flussabwärts paddeln. Den größten Teil der Strecke über war der Fluss recht gemächlich und träge, aber einige Stellen mit recht ordentlichen Stromschnellen gab es doch. An einer dieser Stelle schafften wir es auch prompt zu kentern, aber dadurch das die Kajaks Löcher im Boden hatten und sie daher nicht in dem Sinne volllaufen konnten, hatten wir das Boot recht fix wieder umgedreht und waren wieder drauf geklettert. Der Ortlieb Packsack hatte auch wirklich dicht gehalten (dafür war meine Kamera auch sehr dankbar) und unser Guide rettete sogar noch unsere Sonnencremetube als sie flussabwärts an ihm vorbeischwam. Übrigens kam auch unser Guide selber später in der letzen Stromschnelle etwas in Bedrängnis und sein Boot geriet arg in Schieflage, aber irgendwie schaffte er es dass seine Frau, die vorne saß, über Bord ging, er aber knochentrocken auf dem Boot sitzen blieb. Das ist schon eine Kunst...

Mittags aßen wir auf Don Khon, während ein Riesen-Tuk-Tuk mit ein paar Kids drauf unsere Boote über Land um die Li-Phi-Fälle herumfuhr und Nachmittags legten wir nochmal eine Pause ein um vom Ufer aus Delphine zu gucken. Übrigens, da der Fluss hier die Grenze zwischen Cambodia und Laos bildet, waren wir hier nochmal auf cambodischen Boden. Als wir danach weiterpaddelten, tauchte eine ganze Gruppe Delphine nochmal etwa 30 Meter vor unserem Bug auf!

Zurück Flussaufwärts wurden wir dann mit einem sawngthaew (pickup truck mit zwei holzpänken parrallel zur Fahrtrichtung hinten drauf) gefahren, auf das auch noch die Kanus draufpassten. Unterwegs gabs noch einen Zwischenstop bei den Khon Phapheng Falls, die wie oben schon erwähnt, die größten in Südostasien sind. Und selbst jetzt, zur Trockenzeit, waren sie extrem beeindruckend.





Das war dann auch schon unser letzter Tag auf Don Det. Den Abend ließen wir noch gemütlich in der Hängematte mit Whiskey-Cola ausklingen, nachdem der Whiskey hier aus Laos doch berühmt-berüchtigt ist, musste der ja auch noch probiert werden. Allerdings bekommen hier Mixgetränke eine neue Bedeutung, nachdem die Flasche Whiskey genauso viel gekostet hat wie die Flasche Cola. Und das lag nicht daran das die Cola besonders teuer war... Später, in Pakse, haben wir sogar noch herausgefunden, dass wir sogar den überteuerten Touri-Preis für den Whiskey gezahlt haben, aber bei 10 000 Kip für eine Flasche (12 000 Kip = 1 Euro) waren wir zu baff zum Handeln.



Am nächsten Morgen gings dann auch schon wieder weiter nach Pakse, der „Local Bus“ stellte sich als sawngthaew heraus in das knapp 30 Leute hineingequetscht wurden – es wurden kuschelige 130 Kilometer und ich war mal wieder sehr dankbar für meine Größe ;-).

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