So langsam kann ich verstehen, warum Thailand unter Touristen das beliebteste Land Suedostasiens ist. Eigentlich hatten wir nicht vor, lange in Thailand zu bleiben, zusehr hatte ich das Bild von mit Touris bevoelkerten Straenden und Sextourismus im Kopf. Prachuap Khiri Khan, oder "Prachuapkhirikhan", wie auf den Strassenschildern zu lesen ist (sofern in lateinischer Schrift geschrieben), war ein Schuss ins Blaue und ein voller Glueckstreffer. Auf der Suche nach einem Ort fuer einen Zwischenstop auf der 22h-Reise von Penang nach Bangkok, hoerte sich die 5-Zeilen-Beschreibung im LP nicht schlecht an. Nur die absolute Unausprechickeit des Namens dieser 27.000 Einwohnerstadt war ein kleiner Minuspunkt, vor allem als wir dem Busfahrer klarmachen wollten, wo er uns rausschmeissen sollte.
So standen wir dann am 15.12., 2 Uhr morgens, noch recht verschlafen ploetzlich mit unseren Rucksaecken neben der Landstrasse. Erstaunlich unproblematisch fanden wir uns keine halbe Stunde spaeter in einem guenstigem Hotelzimmer mit Meeresblick wieder, mitten im Stadtzentrum. Prachuap Khiri Khan stellte sich als ruhiges, gemuetliches und uebersichtliches Staedtchen heraus mit ueberraschend vielen wirklich interessanten Attraktionen. Die Frau im Touristenbuero sprach fliessend english und konnte uns eine Menge ueber die Stadt und Umgebung erzaehlen, haeufig genug fand man Hinweisschilder und Landkarten in lateinischer Schrift. Sprich eine
Stadt perfekt ausgelegt fuer Tourismus - aber ausser uns kein Touri (zumindest kein Westener weit und breit in Sicht).
Die Stadt ist nach Osten hin von einem richtig schoenen Sandstrand + Uferpromenade begrenzt (zumindest bei Ebbe, bei Flut sprizt das Wasser gerne Mal auch auf die Uferpromenade), nach Norden hin schmiegt sie sich an einen Huegel, auf dessen Spitze eine beeindruckende buddhistische Tempelanlage thront. Steile Stufen fuehren hinauf auf den Gipfel, wo innerhalb einer Ummauerung mehrere wudnerschoen verzierte und gutgepfegte Gebaeude und Baeume zu finden sind.
Der extrem gute Zustand ist vor allem dann ueberraschend, wenn man sieht wie unglaublich ruecksichtslos die Bewohner mit der Anlage umgehen. Aus Jux und Tollerei werden die mit wunderschoenen roten Ziegeln bedeckten Gebaeude abgedeckt und die Ziegel meterweit den Berg heruntergeschleudert. Eines der Gebaeude dient offensichtlich nicht als Andachtsraum sondern als Toilette. Sowieso ist von Andacht da oben wenig zu spueren. Die Bewohner lungern auf den Stufen herum, schon auf den Stufen nach oben fuehlt man sich von den nach Essen bettelnden Gestalten fast schon belaestigt. Keine Angst, ich rede nicht von buddhistischen Moenchen, der Tempel ist vielmehr eine Affenhochburg. Und diese Malaccen haben sich absolut perfekt an ihren neuen Lebensraum angepasst. Als wir auf dem Weg nach oben einen Affen sahen, der sich eine Glassflasche geschnappt hatte und damit auf einem Stein sass, dachte ich noch, hoffentlich verletzt er sich nicht. Aber als er dann die Flasche ohne zu zoegern aufschraubte (!!!) und dann den Kopf in den Nacken legte und die Flasch mit beiden Haenden zum Mund hob, um noch die letzten Tropfen rauszubekommen dachte ich ich seh nicht richtig! Oben wimmelte es dann nur so von den Tieren, und wir waren ja kurz davor einen der Affen zu bitten ob er nicht ein foto von uns beiden machen koennte. Wuerde mich nicht wundern wenn der das gekonnt haette - allerdings haette er dann vermutlich versucht meine Kamera unten in der Stadt auf dem Markt zu verkaufen.
Noerdlich dieses Affenhuegels liegen die letzten Auslaeufer von Prachuap Khiri Khan entlang einem wunderschoenem Sandstrand, wo das warme Meer nur so zum Baden einlaedt. Hier stolperten wir dann auch ueber unsere Traumhuette und beschlossen noch einen Tag laenger zu bleiben. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Seite ein Fluss mit Schilufer und dazwischen auf dem schmalem Landstreifen kleine Basthuetten auf Stelzen. Und das fuer etwa 5 Euro pro nacht - fuer zwei personen.
Abends/Nachts feierte Prachuap Khiri Khan während wir da waren ein 10-Tage-Festival mit Nightmarket, Jahrmarktbuden, Spiel- und Spaß für die Kids, Sportwettkämpfen, Bühnenveranstaltungen... Der ideale Ort um thailändische Küche zu probieren, und die ist wirklich ausgezeichnet. Irgendwie haben wir zur Zeit ein Talent dafür zu irgendwelchen Festen aufzukreuzen – oder die Menschen hier feiern einfach unglaublich gerne und oft.
Für die nächsten zwei Tage mieteten wir uns ein Moped, um auch die Umgebung erkunden zu können. Das Anfahren ist zwar noch etwas unkontrolliert, vor allem mit jemanden hintendrauf, aber abgesehen davon bin ich inzwischen ganz stolz auf meine Moped-Fahr-Künste. Auf einer ruhigen Küstenstraße, am Sandstrand entlang, macht Fahren lernen natürlich auch deutlich mehr Spass als in München ;-).
Südlich von Prachuap, eine Meeresbucht weiter, ist ein wirklich traumhafter Strand, Ao Manoi. Minuspunkt sind allerdings die Quallen, und etwas gewöhnungsbedürftig war auch dass dieser Strand mitten auf einem Militärübungsplatz war. Und wieder englischsprachige Straßenschilder, Hinweisschilder auf „Historical Park“, „Tourist Information Center“ (ok, war nur eine Hotelrezeption wo niemand englisch sprach), „Beach“ etc – aber den Strand hatten wir dann komplett für uns. An einem Abschnitt waren hunderte von Liegestühlen aufgebaut – aber komplett leer. Erst am frühen Abend ließen sich dort ein paar Locals blicken. Auch direkt hier in der Naehe stiessen wir auf eine weitere Affenherde, diesmal allerdings schwarze Tiere mit einer weissen "Brille". Nachdem diese Affen uns komplett ignorierten konnten wir aus direkter Naehe beobachten, wie sich von Baum zu Baum, bzw. von Baum zu Stromleitung zu Baum sprangen, sich gegenseitig lausten, etc.
Faszinierend war auch der „King Mongkut Memorial Park of Science & Technology “, der unter anderem ein riesiges Auquarium mit modernster Ausstattung beherbergt. Wir kamen gerade rechtzeitig zur Fütterung der Haie und konnten beobachten wie ein Taucher in das Haibecken hinabstieg um dort kleinere Fische zu verfüttern. Begeistert war ich auch von den riesigen Schildkröten, die sich in einem open-air-becken tummelten. Und wieder, wäre nicht gegen Ende unseres Besuches ein Bus mit einer Schulklasse aufgetaucht, wären wir die einzigen Besucher gewesen.
Nördlich von Prachuap erhebt sich wieder ein kleiner Hügel in der sonst absolut flachen Landschaft, und bereits die Tempelanlage am Fuß des Hügels deutet darauf hin, dass auch dieser Hügel mal wieder ein buddhistischen Heiligtum ist. Das erklimmen der steilen Stufen den Berg hinauf lohnt sich – oben ist eine riesige Höhle in der eine gigantische, liegende Buddha Statue und einige sitzende Buddha Statuen zu finden sind.
Etwa 10 km Fahrt von Prachuap Richtung Südwesten, zunächst durch Palmenplantagen und dann durch hügeliges, fast schon gebirgiges Gelände und plötzlich endet der Asphalt und man steht auf einer Schotterstraße, vor uns ein große Betonkonstruktion – die Grenze zu Myanmar. Praktisch direkt auf der Grenze ist ein kleiner Markt aus Holzbuden, vor allem alle mögliches Pflanzen und kunstvoll geschnitze Holzprodukte werden hier verkauft, aber auch Getränke – und ganz tolle Decken. Somit sind wir jetzt gerüstet für den „Winter“ in Cambodia und Laos.
Die Verlockung war schon groß, gleich an einer der ersten Stationen unserer Reise für längere Zeit zu versacken, vor allem weil es da noch diesen Nationalpark mit freilebenden Elefanten gegeben hätte. Aber nach drei Tagen war es wirklich wieder Zeit aufzubrechen Richtung Norden, und einen Elefanten haben wir auch so gesehen: Eine 12-jährige Elefantendame spazierte abends durch die Straßen von Prachuap in Begleitung einer Frau die frische Bambusstückchen verkaufte mit denen man dann den Elefanten füttern durfte. Der nahm einen dann mit seinem Rüssel nicht nur erst die Bambusstückchen einzeln aus der Hand um sie sich dann in den Mund zu schieben, sondern am Ende auch die Plastiktüte, die er dann nach oben reichte wo sie ein Junge entgegenahm der rittlings hinter seinen Ohren saß. Zumindest ein umweltbewusstes Geschöpf hier in Südostasien ;-).
Und noch einen weiteren neuen Freund haben wir in Prachuap kennengelern, seine Lieblingsspeise sind Erdnuesse:
Schließlich, am 18.12. um ein Uhr morgens, ging es dann wieder weiter, nächstes Ziel: Bangkok.
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