Dienstag, 23. Dezember 2008

Angkor Wat, Siem Reap, Cambodia

Der Nordwesten Cambodias heute: Die geteerte Straße aus Thailand hört an der Grenze auf, statdessen sieht man cambodianische Jugendliche schwere Holzkarren durch den roten Staub ziehen, der ab jetzt die Straße darstellt. Siem Reap, unser nächstes Ziel ist nicht weit von der Grenze entfernt, aber der Bus braucht auf dieser Straße etwa 5 Stunden, von einem Schlagloch ins naechste. Hin und wieder überholen wir einen Tankwagen, der die Straße mit Wasser besprueht um den Staub zu bändigen, oft sehen wir auch Bruecken im Bau, jedoch meistens noch nicht befahrbar sondern mit einem kleinem roten Schild „detour“ davor. Das heißt, der ganze Verkehr wird rechts oder links von der Brücke mitten durch den Graben umgeleitet. Zu beiden Seite der Sraße erstrecken sich Reisfelder auf dem pfannkuchenflachen Land, so weit das Auge reicht. Menschen allen alters stehen darin, ernten den Reis oder treiben Wasserbueffel durch das Land. Hin und wieder ein paar Holzhuetten. Auf der Straße sind wir mit dem Bus eher die Ausnahme, vor allem sind hier Mopeds unterwegs auf denen allen und jedes transportiert wird.



Gäbe es nicht die Tempel von Ankor als Zeitzeugen einer früheren Zeit, würde man kaum glauben das von diese Region einmal ganz Cambodia und große Teile vom heutigen Thailand, Laos und Vietnam behherrschte, ja sogar Teile Südchinas. Etwa von 800 bis 1400 nach Christus war die Blütezeit dieses Königreiches, und neben großen Eroberungen waren die Gott-Könige dieser Zeit vor allem mit einem beschäftigt: Gigantische Städte, Heiligtümer und weitere Monumente zu errichten. Und heute noch zeugen die Tempel von Ankor davon, gigantische Ruinen, teilweise völlig verschlungen im Dschungel und seit Jahrhunderten vergessen, teilweise mit internationaler Hilfe etwas restauriert. Seit gut 100 Jahren ist beschäftigt sich die internationale Gemeinschaft mit der Erhaltung und teilweiser Restaurierung der Anlagen, und doch ist erst ein winziger Bruchteil geschafft. Das allein ist schon ein Maß für die Größe dieser Paläste, Tempel, Staedte, bewaesserungsanlagen, Badeanlagen, Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Bibliotheken... kurz alles was ein Reich dieser Größe benötigt.

Drei Tage lang haben wir jetzt Tempel und andere Ankor Bauwerke besichtigt, teilweise von Morgengrauen bis die Sonne unterging. Und trotzdem lässt sich mir Worten kaum Beschreiben, was diese Tempel zum 8. Weltwunder macht. Aber wenn man die Sonne über Ankor Watt untergehen sieht und dieses grösstes religiöses Bauwerk der Welt und warmen, goldenen Tönen erstrahlt, dann kann man sich ein bisschen vorstellen wie es vor 1000 Jahren gewesen sein muss, als dieses Bauwerk Zentrum eines riesigen, lebendigen Reiches war. Auch heute ist durchaus noch was los in und um die Tempel herum. Grösstenteils werden sie immer noch als aktive religiöse Stätten verwendet, beim erkunden der Ruinen findet man des öfteren versteckte Buddastatuen mit qualmenden Räucherstäbchen davor, oft auch betende Menschen. Ausserdem jede Menge Touristen, sicherlich hunderte bis tausende am Tag, aber dadurch das es so unglaublich viele Bauten gibt und diese auch noch recht weitlaeufig sind, ist es mit Ausnahme der Hauptattraktionen wie Ankor Wat selber, doch recht ruhig und hin und wieder fuehlt man sich wie der erste Endtecker, wenn man man Ruinen inmitten des Dschungels findet, voellig ueberwachsen von maetigen Baumwurzeln, die sich um zarte Reliefs schlingen. Abgesperrt ist hier kaum was, was in 1000 Jahren nicht eingestuerzt ist wird schon keinem Touri auf dem Kopf fallen, und es gibt doch eine ganze Menge local guides (die wirklich jede erdenkliche Sprache sprechen koennen), die darauf achten dass nicht allzu ruecksichtslos mit diesen archaeologischen Schaetzen umgegangen wird. Zum lebenbendigem Treiben innerhalb der Tempelmauern tragen auch die unzeahligen barfuessigen kids (die juengsten koennen gerade mal laufen) bei, die mit Postkarten, schwarz kopierten Buechern oder gewebten Tuechern angelaufen kommen "Please, Mis, 10 for one dollar....". Aber so eigentlich sind diese Kids, zumindest mit verglichen mit ihren bettelnden Altersgenossen in Siem Reap, gar nicht so die Trauergestalten die sie manchmal spielen. Sicherlich ist es eine verdammt harte Konkurrenz um die Tempel herum, denn im wesentlichen verkaufen alle das gleiche zum selben Preis. Aber wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt, stellt man fest das diese Kids tatsaechlich mehr als nur diesen einen englischen Satz sprechen, ja die sprache sogar teilweise fliessend beherrschen und sehr neugierig sind wo man her kommt, wie man heisst und ob es jetzt "Cool seasion" in Germany waere. Wenn man angibt, aus Deutschland zu kommen, nicken sie gleich wissend "capital berlin" und einer fragte uns, ob wir euro-muenzen dabei haetten. Cambodia hat zwar drei waehrungen, und wechselgeld kriegt man oft in gemischen einheiten, aber muenzen sind keine dabei. Viele von ihnen gehen abends in die "private school" um english zu lernen, und nicht nur englisch. Einige male wurden wir von kids auf deutsch angesprochen, die offensichtlich ein paar Worte unserer Unterhaltung ueberhoert hatten und die Sprache erkannt hatten. Da war ich schon etwas baff.

Zwar haben sich die Erbauer von Ankor Watt und den anderen Monumenten sicherlich nicht vorgestellt, das ihre Kinder 1000 Jahre spaeter mit triefender Nase herumlaufen wuerden um Postkarten an Pauschaltouristen zu verkaufen, aber doch gibt es glaube ich viel Hoffnung in diesem Land, dessen juengere Geschichte eine aneinaderreihung von Katastrophen ist. Die USA, die das Land im Rahmen des Vietnamkrieges bombadierten, die Khmer Rouge die dadurch an die Macht kamen und die ein in der Geschichte der Menschheit einmaliges Sozio-oekonomischen Experiment starteten das millionen von Khmern das Leben kostete und Millionen weitere durch Landminenen verstuemmelte. Die Blindgaengern unter den US Bomben taten das Uebrige. Heute besuchten wir ein Landminen Museum, im wesentlichen ein Ein-Mann-Laden von einem ehemaligen Kindersoldat der Khmer Rouge, der damals mit 10 anfing Minen zu legen und sie heute raeumt und ein Teil seiner "Beute" dort ausstellt. Direkt nebenan, durch den Toursimus des Museums finanziert, eine Schule und ein Heim fuer Kinder, die durch Landminen Gliedmassen verloren haben. Und doch sind die Leute hier unglaublich froehlich, und unser Tuk-tuk-Fahrer fuer die drei Tage liess keine Gelegenheit aus um uns auf den Arm zu nehmen und sich koestlich drueber zu amuesieren.
















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