Sonntag, 28. Dezember 2008

Kompong Cham, Cambodia



Central und Southeastern Cambodia. Bereits auf der Busfahrt von Siam Reap nach Kompong Cham bekommen wir einen ersten Eindruck dieses faszinierenden Landstriches. „Dirt Roads“, sprich rote Staubspuren, die sich als Straßen bezeichnet werden, ziehen sich durch endlose Reisfelder. Um diese Jahreszeit ist der Reis in den meisten Regionen schon abgeernet, lediglich die goldenen Stengeln der Pflanzen stehen noch. In den Feldern stehen Wasserbüffel und Kühe, für die das Stroh als Futter dient. Näher am Mekong, in den Regionen wo das Wasser seinen tiefsten Stand noch nicht erreicht hat und noch genug Wasser zur Verfügung steht um eine zweite Saat anzubauen, findet man dagegen die leuchtend grünen Feldern des jungen Reis. Dazwischen die Felder, wo gerade geerntet wird. Männer, Frauen und Kinder allen Alters, in gebückter Haltung, die barfüßigen Füße im Schlamm der der Mekong bring und der den Reis ernährt mit einem Sensen-ähnlichem Gerät in der Hand um den Reis zu Bündeln zusammenzufassen, abzuschneiden und zusammenzubinden. Später werden diese Bündel auf einem Holzbrett solange gedroschen, bis sich die Reiskörner vom Rest der Pflanze lösen. Alles Handarbeit.



Die Kids die noch zu klein sind um bei der Reisernte helfen zu können, kümmern sich um die Büffel und Kuhherden. Morgens auf die Felder, tasgsüber hin und wieder zu einem Wasserloch, abends nach Hause. Die allermeisten Familien in Cambodia leben auf dem Land, in kleinen „villages“ die nicht mehr als eine Ansammlung von Holzhütten entlang einer Straße sind. Die Häuser sind auf Stelzen gebaut, zum Teil wegen der relgemäßigen Überschwemmungen, zum Teil weil das „Erdgeschoss“ den Büffeln und Kühen vorbehalten ist. Kokosnusspalmen und Bananenstauden dienen als Schattenspender und als Nahrungsergänzung zum täglichen Reis. Überall um die Häuser herum sieht man Kinder – beim Arbeiten, beim Spielen, beim Entlausen... Vor allem ältere Mädchen (das heißt, vielleicht ab 10) sind in der Regel nicht alleine unterwegs sondern haben irgendein kleines Geschwisterchen auf dem Arm, zwei weitere im Schlepptau. Ist man zu Fuß, per Fahrrad oder Moped unterwegs kommen sie rausgestürmt: „Hello! HELLO!“. Auf den ersten Blick könnte man meinen dieses Land wäre nur von Kids bewohnt, und so falsch ist das gar nicht, nachdem fast eine ganze Generation den Khmer Rouge zum Opfer gefallen ist, die Lebenswerwartung bei 58 Jahren liegt und Kinder die einzige Altersvorsorge sind.



Und es gibt sie doch, geteerte Straßen in Cambodia. Die Straße nach Kompong Cham ist sogar in relativ guten Zustand. Es geht das Geruecht, das die Straße von der thailändischen Grenze bis nach Siam Reap, nur deshalb eine ewige Baustelle ist weil sowohl gewisse Fluggesellschaften als auch gewisse Busgegesellschaften dadurch ganz gute Geschäfte machen (letztere können auf der Strecke nur langsam fahren und können deshalb ihre Gäste erst spätabends vor dem Hotel ihrer Wahl abliefern ( = Hotel das die beste Kommission zahlt) wenn die meisten zu müde sind noch ernsthaft nach alternativen Bleiben zu suchen).

Schließlich kommen wir in Kompong Cham an. Der Tuk-tuk Fahrer am Busbahnhof lässt uns erst in Ruhe unsere sieben Sachen zusammenpacken und zeigt uns bereitwillig auf der Karte wo wir sind. Etwas enttäuscht ist er schon, als wir dadurch feststellen das wir die 500 meter auch selber laufen können und kein tuk-tuk brauchen, aber wie jeder Tuk-tuk fahrer hier unten hat er eine „Name-card“ die er uns stolz überreicht und dann erklärt er uns sogar wie wir laufen müssen. Ein angenehmer erster Eindruck. Der zweite Eindruck ist richtiggehend überwältigend: Der Mekong. Der Fluss, dessen Rhythmus das Leben im ganzen Land bestimmt, der Überschwemmung bringt und damit auch fruchbare Erde und Wasser was den Reis wachsen lässt. Gerade ist Trockenzeit, aber wenn man diesen gigantischen Fluss sieht (dersse Fischreichtum nur noch vom Amazonas getoppt wird) ist es kaum zu glauben das gerade Niedrigwasser herrscht. Kompong Cham hat die einzige (!) Brücke in ganz Cambodia die diesen Fluss überquert, ansonsten muss man auf Fähren zurückgreifen. Und bei Hochwasser dring dieser Fluss noch kilometerweit ins Innland vor. An der breitesten Stelle hat er bei Hochwasser eine Breite von 14 Kilometern!



Mit den Hostels hatten wir nicht so viel Glück. Unsere erste Bleibe hatte vor dem Fenster einen Balkon mit traumhaften Blick auf den Mekong – aber als um 4 Uhr morgens sich irgendwie die halbe Stadt auf diesem Balkon zu versammeln schien um den Sonnenaufgang über den Mekong zu bewundern war mit Träumen und Schlafen nix mehr. Die zweite Bleibe hatte ein unschuldiges kleines Restaurant, was sich aber nachts in eine dröhnende Karaokee Bar verwandelte. Dazwischen hatten wir einen sehr interessanten Tag, an dem wir per Fahrrad eine der Inseln im Mekong erkundeten. Nachdem der Wasserstand des Mekongs so starken Schwankungen unterlegen ist, gibt es keinen Steg wo die Fähre ablegt, sondern die Schiffe landen einfach an den schlammig-staubigen Flussbänken an und ein paar Holzbrätter werden herübergelegt so dass auch Fahrräder, Mopeds, Foodstalls.... drauffahren können. Fähre nennt sich hier alles, was aus ein paar Holzbrettern zusammengezimmert ist und wovon der Kapitän der Meinung ist es könnte schwimmen. Auf unserer Überfahrt fiel auf halber Strecke der Motor aus – konnte aber zum Glück schnell wieder repariert werden. Die Insel selber bot einen guten Einblick in das Leben auf dem Land in Cambodia. Kleine Dörfchen, die meisten Menschen leben hier vom Fischfang, es gibt auch ein paar Felder und Plantagen. Überall Kids die ihre drei englischen Sätze üben wollten. Mittags trankenwir eine Cola bei einem kleinem Tante-Emma Laden. Die Familie sprach kein Wort englisch, wir konnten nur zwei Worte Khmer aber irgendwie kann man sich mit Lächeln und Gesten doch ganz gut unterhalten.

Für die nächsten zwei Tage hatten wir dann genug von Hostels, die nachts zu Karakokee Bars mutierten und suchten uns eine ganz andere Bleibe: Homestay bei einer Familie in einem kleinem Dorf ein paar Kilometer östlich von Kompong Cham (Rana village homestay, http://rana-cambodia.blogspot.com/). Und das war wirklich eine fantastische Erfahrung. Don, der Vater ist Amerikaner und lebt seit den 90gern in Cambodia, seine Ehefrau Kiong ist Cambodierin und garantiert die beste Köchin im Land. Ich habe noch nie in meinem Leben so gutes Essen gegessen wie in den zwei Tagen. Die beiden haben zwei echt aufgeweckte Kinder, einen sechsjährigen Jungen Ra und seine etwa ein bis zwei Jahre jüngere Schwester Na.




Geschlafen haben wir beide in einer kleinen Basthütte auf Stelzen im Garten, tagsüber hat uns die Familie in der Umgebung herumgeführt (einen Tag zu Fuß, den zweiten per Fahrrad) und uns jede Menge über das Leben hier erzählt. Dazwischen blieb noch jede Menge Zeit um im Schatten auf der Terasse des Hauses zu entspannen, cambodische Zeitung zu lesen, zu essen (ganz wichtig), mit den Kids zu spielen oder sich mit anderen Dorfbewohnern zu unterhalten, die zu Besuch kamen (hier musste Kiong übersetzen). Der Rhythmus des Lebens hier auf dem Land wird im Großen diktiert durch den sich verändernden Wasserstand des Mekongs, im Kleinen durch die Bedürfnisse der Reisfelder und die der Hühner, Kühe und Wasserbüffel. Trotz härtester Arbeit auf den Feldern und im Haus bleibt den Khmern aber irgendwie immer genug Zeit zwischendruch für ihre Lieblingsbeschäftigung: In der Hängematte liegen. Interessant war auch ein Gespräch mit Kiong's Schwester, die als Lehrerin in der Grundschule im Nachbardorf arbeitet. Das regulärer Gehalt als Leher hier beträgt 50 US$ im Monat, was selbst bei den Preisen hier nicht annäherned reicht um sich, geschweige den seine Familie zu ernähren. Aber dieses Jahr hat Kiong's schwester Glück, sie hat eine doppelte Stelle bekommen – eine Klasse vormittags und eine Nachmittags und verdient somit das doppelte. Aber selbst das, sagt sie, reicht kaum. Sie steht jeden morgen um 3:30 auf um ihre Stunden vorzubereiten, dann weckt sie die Kinder mit allem was dazu gehört. Den ganzen Tag über ist sie in der Schule, abends muss sie sich wieder um die Kinder kümmern, dann schaut sie oft noch bei Don's familie vorbei um sich mit seinen Gästen (sprich uns) zu unterhalten, denn dafür geht etwas von dem Geld das wir an Don für den Homestay zahlen weiter an sie. Und das 6 Tage die Woche. Die Schule in Cambodia ist kostenlos, aber die Eltern müssen für eine Schuluniform aufkommen und die Kinder fehlen als Arbeitskräfte auf den Feldern. Nach der Grundschule könnten die Kids auch noch eine Highschool besuchen, aber die ist ein paar Dörfer weiter und viele Familie können sich kein Fahrrad leisten und zum Laufen ist es zu weit. Deswegen sieht man auf einem Fahrrad dann meistens nicht nur ein Schulkind, sondern meistens gleich 2 bin 5 gleichzeitig. Der Schulunterricht ist soweiso in recht traurigem Zustand, English wird erst irgendwann in der Highschool unterrichted die viele nicht mehr besuchen, Schullunterricht ist zwar Pflicht aber niemand kontrolliert also ist es am Ende die Entscheidung der Eltern, Lehrer sind so schlecht bezahlt das sie oft wochenlang nicht auftachen weil sie Nebenjobs nachgehen, die sogenannten Schulbücher die von der Schule an die kinder verliehen werden sind nicht Lehrbücher sonder Arbeitsheftchen, in die die Kinder aber nichts reinschreiben dürfen.



Interessant war auch ein Gespräch mit Kiong's Mutter, auch einer unglaublich hart arbeitenden Frau. Seit knapp 55 Jahren arbeitet sie auf den Reisfeldern, und hat auch die Zeit der Khmer Rouge miterlebt und konnte uns einiges darüber erzählen. Sie war ihrerseits auch sehr interessiert an Deutschland, wollte wissen ob sich die Familien oder die Regierung um die Alten kümmere. Dann fragte sie nochmal nach, wollte wissen, ob die Alten den freiwillig ins Altersheim gingen oder gezwungen würden. Wirklich eine sehr interessante Frau. Als sie uns um rat bat wegen ihren Rückenschmerzen, aber wir ihr nicht wirklich helfen konnten (über ein halbes Jahrhundert jeden Tag in gebückter Haltung auf den Reisfeldern – das macht einfach kein Rücken mit), lächelte sie schließlich und meinte, sie hoffe sie würde im nächsten Leben in Deutschland wiedergeboren.



Insgesamt habe ich wirklich viel über das Leben auf dem Land in Cambodia gelernt und es war wirklich eine unvergessliche Erfahrung. Toll war auch, als uns Kiong bat eine English-Unterrichts-stunde für die kids vom Dorf zu halten. Die Verständigung klappte zwar nur recht rudementär, aber irgendwie funktionierte es doch mit Hilfe von ein paar sehr kreativen Zeichnungen und ein paar Spielen die Kids zum Englisch Reden zu bringen. Zum Abschied ließen wir noch ein Fotos da, für Kiong als Unterrichtsmaterial für ihren English unterricht und für die beiden Kinder, die ja noch nie Schnee gesehen hatten. Und dann waren wir schon wieder unterwegs, nächstes Ziel: Kratie

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