Donnerstag, 14. August 2008

Kuala Lumpur

Wie versprochen hier nun einige Eindrücke von meinem Wochenende in Kuala Lumpur (Hauptstadt von Malaysia, letzten Freitag bis Sonntag). Nachdem wir (mal wieder eine Gruppe aus Austauschstudenten) uns am Donnerstag entschlossen hatten, dieses letzte komplett uni-freie Wochenende für eine etwas längere Tour (Kuala Lumpur liegt ca 350 km nördlich von Singapur) zu nutzen und es Donnerstag abend sogar tatsächlich geschafft hatten sowas wie einen Busfahrplan nach Kuala Lumpur im Internet zu finden gings dann am Freitag um 7 Uhr morgens los. Nach einigem Hin und Her und einigen Diskussionen mit Ticketverkäufern bekamen wir dann sogar tatsächlich Tickets für den Bus (zumindest für die Hinfahrt) und es konnte losgehen. Singapur und Malaysia sind über eine große Brücke verbunden, so dass die Fahrt zunächst übers Meer (mit Blick auf viele kleinere Inseln und Landzungen) und dann durch Palmenwälder, Bananenplantagen, Zuckerrohrpflanzen und tropischen Regenwald nach Norden ging. Nach etwa 5 Stunden Fahrtzeit, in denen man kaum ein Haus außer vereinzelten Tankstellen zu Gesicht bekam erreichten wir Kuala Lumpur.
Kuala Lumpur ist das absolute Gegenteil von dem menscheleeren, naturbelassenen tropischen Regenwald, den wir zuvor aus dem Busfenster gesehen hatten. Plötzlich fanden wir uns mitten im Großstadt – Dschungel wieder.


Auf Markt- plätzen und an den Straßen- rändern drängen sich kleine Buden von Straßen- verkäufern, die laut ihre Waren anpreisen und vorbeigehende Passanten fast schon belagern mit ihren „special offers“. Mitten zwischen diesesn kleinen und kleinsten Buden und Häusern ragen riesige Wolkenkratzer in den Himmel (z.B. Petronas Towers, 84 Stockwerke).


Dazwischen befindet sich in einigen Metern Höhe das sehr effiziente, im Minutentakt verkehrende Nahverkehrssystem der Stadt, „Rapid KL“, eine Monorail Bahn die vom Aussehen etwas an eine Miniaturversion des Transrapids erinnert (is aber natürlich keine Magnetschwebebahn). Auch Busse gibt es, allerdings steht da nicht drauf wo sie hinfahren sondern sondern an der Bustür steht ein „Beifahrer“, der das Ziel laut ausruft und versucht Passanten zum Einsteigen zu bewegen. Auch Taxifahrer warten nicht bis man von selbst auf die Idee kommt ein Taxi zu rufen . Allerdings haben die Taxi’s und Busse einen deutlichen Nachteil gegenüber der Monorailbahn – sie stehen vor allem bei Stoßzeiten sehr schnell im Stau. Den das Verkehrsaufkommen in dieser Stadt ist einfach nur gigantisch. Die meisten Straßen sind drei- bis vierspurig, erinnern also eher an Autobahnen, und werden recht wild über Brücken und Tunnel auf allen möglichen Höhen miteinander verbunden. Eine zweidimensionale Straßenkarte ist hier mehr irreführend als hilfreich. Ampeln gibt es zwar in rauhen Mengen, sie dienen aber eher der Verzierung des Stadtbildes als zur Regulierung des Verkehrs. Den Fehler, bei grün einfach loszulaufen, macht man nur einmal und erntet dafür dann Reifenquietschen und erbostes Hupen. Stattdessen passt man sich recht schnell an die Gewohnheiten der Einheimischen an: Warten bis etwas kommt was man mit viel Fantasie als Lücke identifizieren kann und dann selbsbewusst loslaufen und die Straße so Spur per Spur überqueren. Bei Kreuzungen, an denen 2 vierspurige Straßen aufeinandertreffen kann das durchaus eine Weile dauern. Während wir uns schon irgendwie etwa so fühlten als würden wir gerade ein Autobahnkreuz per Fuß überqueren, schien das für die Einheimischen recht selbstverständlich. Für längere Strecken ist diese Fortbewegungsart aber irgendwann doch relativ anstrengend, weswegen wir recht bald für längere Strecken auf Monorailbahn (Kosten: 20 Cent) und Taxi (30 cent pro person) umstiegen.

Für mich ist Kuala Lumpur eine Stadt der Gegensätze: Winzige Wellblechhütten zwischen den ganz schmale Gassen hindurchführen und die schon beim Anschauen fast auseinanderfallen stehen neben riesigen Wolkenkratzern und mehrspurigen Straßen.
Auf Markt- plätzen in Chinatown, Little India und im sog. malayischen Viertel und an Straßen- ecken werden Obst, Gemüse, Süßig- keiten, Klamotten (größteteils gefälschte Markenprodukte), Schuhe, Seidenstoffe und Gemüße für wenige Cent bis ein paar Euro verkauft, dagegen zahlt man in riesigen, modernen, „westlichen“ Einkaufszentren durchaus mehr als für vergleichbare Ware in Deutschland. In dem Hostel mit fast schon familärer Athmosphäre in dem wir geblieben sind, haben wir ca. 3€ pro Übernachtung im Zweibettzimmer gezahlt – eine Straßenecke weiter stehen dann riesige Hotels, wie Hilton Kuala Lumpur.
Die riesigen Straßen sind vollgestopft mit modernen, teuren Autos neben Blechkisten und vor allem jede Menge Mopeds, auf denen wirklich alles, von Kind bis Kegel, transportiert wird. In vielen Bereichen der Stadt ist die Luft aufgrund der ganzen Abgase kaum noch atembar, dagegen gibt es einen anderen Bereich der Stadt, Lake Garden, eine riesiege Parklandschaft mit Hisbiskus- und Orichdeengärten, Schmetterlingpark, Mousedeergehege, Vogelpark… in der die Großstadt unendlich weit weg erscheint. Und dann natürlich auch die Lage der Stadt selbst – eine Großstadt (dagen ist München ein Kaff!) mitten im Nichts. Insgesamt also eine unglaublich faszinierende Stadt – aber keine in der ich auf Dauer leben möchte, da ist mir dann Singapur doch deutlich lieber . Was beiden Städten aber gemeinsam ist, ist der Kontrast zwischen Tradition und Moderne, auch wenn er in Kuala Lumpur deutlich ausgeprägter ist, und die unglaubliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Wobei die Straßenhändler in Kuala Lumpur natürlich schon etwas versuchen, die Touris abzuzocken…
Würde ich hier alles aufzählen, was wir in den drei Tagen dort alles gesehen und gemacht haben, würde ich garantiert meine nächsten paar Vorlesungen verpassen, deswegen hier nur ein paar Highlights: Von einem Einheimischen haben wir uns erklären lassen wie das Handeln auf dem Markt funktioniert und sind dann auch gleich losgezogen und haben fleißig geübt. Das Ergebnis davon war dass ich jetzt nicht mehr alle vier Tage waschen weil der Inhalt meines Kleiderschrankes sich verdoppelt hat . Der meines Schuhschrankes (wenn ich denn so was besäße) übrigens auch ;-).
Auch eine weitere ganz tolle Sache haben wir auf dem Markt entdeckt: Ein Becken, in dem ganz viele ca. 5cm lange Fische schwimmen. Für etwa einen Euro kann man dort seine Füße reinstecken und dann kommen die ganzen Fische angeschwommen und knabbern die tote Haut weg. Hört sich vielleicht etwas eklig an ist aber richtig super, vor allem nach einem Wochenende an dem wir wirklich viel umhergelaufen sind. Angenehme Fußmassage (wenn auch am Anfang etwas kitzlig) und Blasen, Hornhaut, Dreck – alles weg.
Ein ganz besonderes Erlebnis war auch der Besuch in einem Hindu-Tempel. Barfuß betritt man einen großen Innenhof, in der Mitte befindet sich der eigentliche Tempel und außenrum findet z.B. die Essensvergabe statt. Das ganze ist sehr lebendig, die Leute sitzen und stehen am Boden und auf den Stufen, unterhalten sich und essen dabei. Überall laufen Kinder aller Alterstufen rum.
Wir wurden sofort auf- gefordert, doch auch etwas von dem Essen zu probieren. Erst lehnten wir dankend etwas halbherzig ab, wir hatten ja gerade schon gegessen und wollten hier nicht unverschämt reinplatzen und das Essen wegessen. Aber recht bald waren wir von einer Gruppe Indern umringt die schon fast darauf bestanden dass wir uns auch was nehmen sollten. Also nahm ich mir ein Bananenblatt und ließ mir ein Reisgericht und Teigringe draufgeben, dazu gab es eine Brühe zum tunken. Gegessen wurde mit den Fingern, was erstaunlich gut funktionierte, weil der Reis sehr klebrig war. Und lecker war’s auch noch, aber das bin ich ja von der Gegend hier nicht anders gewohnt. (Obwohl Chicken Feet schon etwas gewöhnungsbedürftig sind…)

Übrigens waren wir nicht nur in dem Hindu-Tempel sondern wurden auch in eine tibetische Gemeinde eingeladen, wo Mönche einen sehr, sehr langen Gesang vortrugen. Ich glaube es handelte sich dabei um so etwas ähnliches wie die Fürbitten bei uns.


Ein Rückfahrticket für Sonntag zu bekommen gestaltete sich schwieriger als erwartet, da der Samstag in Singapur Feiertag war und jede Menge malaysische Singpuris die Gelegenheit genutzt hatten übers Wochenende nach Hause zu fahren. Aber mit einer Mischung aus English, Händen, Füßen und Ellbogen ließ sich auch das regeln und so kam ich am Sonntag, 10 Uhr abends, wieder im Wohnheim an. Montag war dann mein erster Uni-Tag an der NUS

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