Singapur ist wirklich eine äußerst faszinierende und bemerkenswerte Stadt. Und zwar in jeder erdenklichen Hinsicht. Sowohl was die Mentalität der Menschen anbelangt, als auch was die Architektur und das Leben der Stadt betrifft. Es ist schwierig, das Besondere an Singapur hier in ein paar Zeilen hinzuschreiben. Stattdessen will ich versuchen lieber ein paar Beispiele und Erlebnisse die ich in den letzten Tagen hatte hier anführen.
Singapur wurde in früheren Zeiten oft „ Garden City“ genannt, vor allem wegen den Botanischen Gärten, dem Japanischen und Chinesischen Garten, den Zoos… - heute wird viel Wert darauf gelegt diesen Titel umzuändern in „City in a Garden“. Und das trifft es eigentlich ganz gut. Man stelle sich Singapur als idyllische Insel im warmen Meer vor, bedeckt mit tropischen Regenwald, und aus diesem Wald sprießen einige außergewöhnlich hohe „Bäume“ - ca. 30-Stöckige moderne (eigentlich sehr schöne) Hochhäuser. Außerdem finden sich zwischen dem ganzen grün auf der Insel jede Menge ein bis zweistöckige Häuser – Foodstalls, kleine Verkaufsbuden, Tempel, Wohnhäuser mit integrierten kleinen Geschäften, Chinatown, Little India… Eigentlich spielt sich das ganze Leben dieser Stadt also im „Erdgeschoss“ statt, die Hochhäuser (v.a. Banken, Bürogebäude) wirken auf den ersten Blick etwas deplaziert aber genau diese Mischung aus Tradition und Moderne macht einen wichtigen Teil des Reizes dieser Stadt aus.

Chinatown. Ich war abends dort, mit einem Chinesen, Jimmy, der seit diesem Semester in Singapur studiert. Ausnahmsweise also streng genommen kein Exchange Student. Damit hatte ich dann auch gleich einen fachkundigen Führer, was vor allem bei der Fülle an völlig unbekannten aber sehr leckerem Essen sehr von Vorteil war. Abends ist dieser Stadtteil ganz besonders schön. Die schmalen Gassen sind von roten Lampinions beleuchtet die überall hängen, zusätzlich strahlt aus den Buden warmes Licht. Drinnen findet man zahlreiche Budda – Statuen, feine Stoffe und natürlich jede Menge ganz tolles Essen. Natürlich ist ein Teil davon Touri – Kitsch. Aber Chinatown ist auch immernoch das Einkaufsviertel und Ausgehviertel für einen Großteil der Chinesen die hier wohnen, und so sind gerade in den Abendstunden , wenn es etwas kühler ist, die Gassen sehr belebt. Überhaupt passiert das meiste auf den Straßen vor den Buden. Hier wird gehandelt, diskutiert und gegessen.

Direkt in der Nähe von Chinatown liegt Little India, und so sind wir während unseres Chinatown – Besuches mehr oder weniger aus Versehen in einem Hindu-Tempel gelandet. Wie man es schafft aus Versehen in einem Tempel zu landen? Nun ja, der Tempel war eigentlich mehr ein Innenhof als alles andere, von außen war der für Laien nur durch den riesigen Haufen Schuhe vor dem Eingang (also mitten auf der Straße…) zu erkennen. Drinnen waren jede Menge Menschen, also wollten wir auch mal gucken. Also Schuhe aus und barfuß rein. Drinnen waren dann jede Menge Inder aller Altersgruppen. In einer Ecke verteilte eine Frau eine weiße, recht dickflüssige Masse in Plastikbechern. Ich kam mir erst recht verloren vor, ich war glaub ich der einzig europäisch-amerikanisch-aussehende Mensch da drin. Doch als ich einen neugieren Blick zu der Frau mit den Plastikbechern warf, fragte sie mich gleich ob ich probieren möchte. Es handelte sich um eine Art Milchreis mit mehr Milch als Reis, und es wurde die komplette Schlange übersprungen damit ich gleich meinen Becher bekam. Außerdem wurden wir eingeladen doch noch etwas da zu bleiben. Das ist halt Freundlichkeit und Gastfreundschaft in Singapur. Wir blieben noch ein bisschen, bis irgendeine Feierlichkeit begann und alle wussten was sie zu tun hatten außer wir – da wurde es dann doch etwas unheimlich ;-). Aber ich hab fest vor irgendwann nochmal hinzuschauen, nachdem wir ja nun schon eingeladen wurden.
Heut in der U-Bahn hatte ich auch ein interessantes Erlebnis. Ich war mit noch einigen Austauschstudenten unterwegs und wir unterhielten uns über mögliche Ausflugsziele für die nächste Zeit. Plötzlich mischte sich eine Frau neben uns in Gespräch ein, und meinte sie hätte uns nun schon eine Weile zugehört und da sie schon eine ganze Weile hier lebe, müsse sie uns unbedingt empfehlen nach Pulau Ubin zu fahren, einer Insel vor der Nord-Ost-Küste. Tatsächlich waren wir gerade auf genau dem Weg dahin und sie erzählte uns, was wir da unbedingt machen sollten, welche anderen Ziele wir noch aufsuchen sollten, worauf wir in Singapur sonst noch so achten sollten… am Ende (etwa 20 min später, als wir aussteigen mussten), gab sie uns ihre Visitenkarte und meinte wir könnten jederzeit anrufen wenn wir mal Hilfe bräuchten. Das ist zwar hier mehr als Floskel zu verstehen, aber trotzdem – in einer Münchner U-bahn ist mir sowas selten passiert.
Auf Pulau Ubin war’s dann auch wirklich sehr fantastisch. Aber davon wann anders mehr, es ist jetzt ein Uhr morgens und in fünf Stunden muss ich aufstehen für nen Tripp nach Malaysia.
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