Dienstag, 4. November 2008

Neues aus Singapur

Jetzt habe ich schon eine ganze Weile nichts geschrieben und vor allem schon lange nichts mehr über Singapur geschrieben. Höchste Zeit das zu ändern. Tatsächlich war ich die letzen paar Wochenenden ausnahmsweise mal in Singapur (ja, das kommt vor ;-), zum einen weil ich doch einiges für die Uni tun musste und zum anderen, weil es hier doch noch einiges zum entdecken gibt. Singapur ist eben doch ein bisschen mehr als „a fine city“.



Uni läuft soweit eigentlich ganz gut, ich hab jetzt dann am Semesterende (ist hier ja schon relativ bald, sind nur noch anderthalb Wochen Vorlesungszeit) nur eine Klausur die ich hier mitschreibe insofern ist der Druck noch nicht so groß dass ich schon ernsthaft was getan hätte. Dafür arbeite ich fleißig an meinem Projekt weiter, das ist nämlich deutlich interessanter. Offiziell ist das Modul zwar schon zu Ende, aber irgendwie stört das weder mich noch meinen Betreuer also machen wir noch etwas weiter solange ich hier bin. Das ist sowieso so eine Geschichte. Am Freitagabend vor zwei Wochen hab ich mich hier mit ein paar Freunden getroffen und im Rahmen einer Diskussion über Halloweenaktivitäten fiel dann von einer Freundin der Satz, das sie keine Zeit hätte weil am Montag ihre Projektabgabe wäre. Etwas stutzig, weil sie nämlich das gleiche Modul wie ich belegt hat, hab ich dann in der Nacht auf Samstag mal auf der Homepage etwas herum gesucht und tatsächlich – ich hatte auch am Montag Abgabe! Full report und 4 – Seiten – Abstract mit hunderttausend Formatvorgaben . (Und zwar so Word-User Formatvorgaben: Absätze 5 Leerzeichen einrücken. Grrr – Latex kann selbstverständlich einrücken aber nur in vernünftigen Einheiten wie mm oder pt aber nicht in „Leerzeichenbreite in Times New Roman Schriftgröße 12“. Naja, bei der Gelegenheit habe ich herausgefunden dass es eine ganze Wissenschaft zu Leerzeichen gibt.) Ich dachte dieser Bericht wäre irgendwann im Dezember fällig, insofern hatte ich noch absolut gar nichts dafür gemacht, wir waren ja auch gerade erst dabei ein paar interessante Sachen rauszufinden und noch gar nicht an einem Punkt wo man das vernünftig hätte abschließen können. Naja, Samstag(!) morgen hab ich dann meinem Betreuer eine sms geschrieben, woraufhin der prompt zurückrief und sagte, dass er von diesem Termin auch keine Ahnung gehabt hatte. Naja, ich hatte dann ein durchaus arbeitsintensives Wochenende um es mal so auszudrücken aber Montag spät abends war das Ding dann halbwegs fertig so dass ich es abschicken konnte. Der Kommentar von meinem Prof dazu: „You’re German.“



Das Wochenende drauf hat es mich dann auch mal mit einer Magen-Darm Geschichte erwischt. Ist hier unter „Westerners“ absolut nicht unüblich - jede Menge ungewohntes Essen und vor allem jede Menge Bakterienarten die wir nicht gewohnt sind. Ich war schon sehr stolz dass ich so lange ohne Probleme durchgekommen bin. Sonntag abend kam dann aber auch noch Fieber dazu, und als dann Montag morgen mein Fieberthermometer den Geist aufgab beschloss ich doch mal lieber zum Arzt zu gehen – mit Fieber ist hier unten wegen Dengue und Malaria nicht so zu spaßen. Da (natürlich) Feiertag war, bin ich also hier zum Krankenhaus auf dem Campus. Und die haben tatsächlich eine interessante Art Fieber zu kurieren. Ich hab ja sogar noch dran gedacht mir was Warmes anzuziehen bevor ich los bin, weil das Krankenhaus als öffentliches Gebäude natürlich wieder völlig überklimatisiert ist - aber ich hätte schon im Ski-anzug kommen müssen um den Temperaturen entsprechend gekleidet zu sein. An war das System dort recht effizient, sobald man zur Tür rein kommt wird Fiebergemessen noch bevor man den Mund aufmachen kann um zu sagen was eigentlich los ist. Dann gibt es einen Pauschalbetrag den man bezahlen muss für Arzt sehen, Behandlung und Standardmedikamente. Ich musste dann auch gar nicht lange warten um einen Arzt zu sehen. Der kam dann zu dem Schluss das ich dehydriert sei und mein Fieber aber sonst harmlos sei und hat mich zur „Rehydration“ geschickt – 2 Liter Kochsalzlösung auf „Zimmertemperatur“. Bloß blöd dass hier “Zimmertemperatur“ 16 Grad sind! Mein ganzer Arm wurde zum Eisklotz und die Fingernägel sind blau angelaufen und nach einiger Zeit fing der ganze Unterarm zu schmerzen. Aber auf Nachfrage warum das Zeug so verdammt kalt sein muss: „It’s not cold – room temperature. It’s ideal.“ Tja, Fieber hatte ich danach bestimmt keins mehr – ich schätze meine Körpertemperatur nach der Aktion auf 25 Grad oder so was ;-). Naja, die Woche drauf war ich dann erkältet – könnte da ein Zusammenhang bestehen….? Aber zumindest war ich so froh endlich raus aus dem Krankenhaus und und wieder an die tropische, feuchte, 30 Grad warme Luft zu kommen dass ich mich gleich schon wieder sehr gesund gefühlt habe.



Ansonsten habe ich die letzten Wochen genutzt um mich ein bisschen mehr in Singapur umzuschauen. Besonders gut hat mir die Gegend um Marina Bay / Singapore River gefallen. Direkt am Ufer sind weitläufige, sehr schön gestalte Uferpromenaden, dahinter ragen dann die Wolkenkratzer des Financial District in die Höhe. Vom 72. Stock des Swiss Hotels hat man dann auch eine ganz beeindruckende Aussicht über Singapur. Zwischen dieses gigantischen modernen Bauwerken (sehen übrigens richtig gut aus, keine Betonklötze) kauern dann aber auch wieder kleine, ein- bis zwei stöckige Gebäude und Food stalls. Mitten im Financial District haben wir einen ganz tollen Food Court entdeckt wo es ganz tolles Satay gibt – ein malaysisches Gericht, im wesentlichen Fleischspießchen mit Erdnuss-Chili-Sauce. Ebenfalls am Singapore River ist die Nachtclub-Szene Singapurs. Besonders viel los ist (außer am Wochenende) vor allem Mittwochabend – Ladies Night. Da kommen Frauen umsonst oder sehr billig in die meisten Clubs rein und kriegen dann auch noch kostenlos unbegrenzt Getränke (nur(!) alkoholische…). Rentieren tut sich das für die Clubs dadurch dass die Jungs sich an den Abenden dumm und dämlich zahlen – erst mal 20 € Eintritt und dann auch noch teure Getränke. Schon ein etwas seltsames System, ehrlich gesagt.




Letzten Freitag hatte ich dafür Abendprogramm einer ganz anderen Art – wir waren in Chinatown in einer chinesischen Oper. War wirklich super (und touri-freundlich ;-) gemacht. Der Raum war winzig, es standen etwa 5 Tische + entprechend Stühle (es gab zuerst chinesisches Essen bevor’s los ging) und eine vielleicht 2 mal 3 Meter Bühne. Nach dem Essen gab’s erst mal eine recht lange Einführung in der die Bedeutung der verschieden Kostümfarben und –formen, die Bedeutung der Gesichtsbemalung und einige andere grundlegende Prinzipien erklärt wurden. War aber durchaus erfolgreich - danach konnte man dem Handlungsverlauf tatsächlich folgen ohne auch nur ein Wort chinesisch zu verstehen.



Auch erwähnenswert ist das Deepavali - Fest bei mir im Wohnheim. Ich hatte ja schon erwähnt das Montag vor einer Woche Feiertag war. Der Feiertag heißt Deepavali (übersetzt so was wie Fest des Lichtes) und ist ein indisches Fest das auf eine alte Sage zurückgeht. Irgendein König siegt oder wird besiegt oder irgendwie so was. Zumindest war an dem Abend richtig viel los bei mir auf dem Wohnheimgelände. Das ganze Zentrale Foyer war zur Freilicht-tanzfläche umfunktioniert worden und die breiten Stufen die da hinunterführen zur Bühne, auf der eine indische Band unglaubliche laute Rock- und Heavy Metall Musik zum Besten gab. Überall waren Inder in traditionellen Gewändern und es gab auch traditionelles indisches Essen, aber da war mein Magen noch nicht fit genug dafür.



Besonders schön war auch letzen Sonntagabend. Lynn, eine Holländerin die mit mir in zwei Wochen auf die Philippinen fährt hat mich mit genommen zum Abendessen bei ihrer „Host Family“. Es gibt da anscheinend so ein Programm, dass Singapurianische Familien sich bereit erklären sich so ein bisschen um einen internationalen Austauschstudenten zu kümmern, und so ist Lynn zu ihrer Gastfamilie gekommen. Es gab total leckeres Essen - Seafood Steambowl, auch genannt Chinese Fondue und dazu „Salat“. Salat heißt in diesem Fall: Frische geschnittene Chilischoten und dazu Sojasauce als Dressing. War aber lecker – bloß zuviel davon konnte ich nicht essen. Und ich hab gelernt dass man Prawns (wie heißen die denn gleich noch mal auf Deutsch – die großen Brüder von den Shrimps?) nicht schälen muss sondern auch so essen kann. Vor allem nach der Essen entwickelte sich noch eine sehr lange und sehr interessante Diskussion über diverse Aspekte Singapurs die man sonst als Touri nicht so mitkriegt, da die (einzige) Zeitung von der Regierung kontrolliert wird – wie so eigentlich auch alles andere hier. Es war wirklich mal interessant zu hören was die Singapuris selber denn so von ihrer und anderen Regierungsformen halten und auch einen tieferen Einblick in die Geschichte und aktuelle Politik Singapurs zu bekommen. Aber dieses Thema hat einen eigenen Abschnitt verdient.

Ansonsten bin ich zur Zeit dabei mir meine Visa und Flüge für Dezember und Januar zu organisieren und freu mich schon wie ein Schnitzel auf die Zeit in Malaysien , Thailand, Cambodia, Laos, Vietnam und Indonesien. Auch wenn es dann heißt Abschied nehmen von Singapur und meinen ganzen neuen Freunden hier, was mir sicherlich nicht ganz leicht fallen wird – aber die Aussicht auf 2 Monate Urlaub in Asien mit Sebastian…. 

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