Donnerstag, 18. September 2008

Tauchen auf Pulau Aur, Malaysia

Eigentlich wollte ich an meinem Projekt weiterarbeiten, doch der schwankende Boden in meinem Zimmer erschwert die Konzentration. Also lieber erst mal Blog schreiben. Schwankender Boden? Erdbeben? Nein, keinesfalls. Aber ich habe letztes Wochenende auf Pulau Aur, Malaysia, meinen Tauchschein gemacht und nach insgesamt ca. 24 Stunden im Wasser bzw. auf einem Fischerboot weigert sich mein Gleichgewichtssinn festen Boden unter den Füßen als solchen zu erkennen. Montag Morgen musste ich mich auf dem Weg zur Dusche an der Wand festhalten!



Nach einer Theoriestunde (incl. „Prüfung) und zwei Abenden mit Pool-Übungen gings am Freitag Abend, 7 Uhr (singapurianische Zeitangabe, also eigentlich 8:30 aber man will ja sicher sein dass niemand zu spät kommt und den Bus verpasst…) mit dem NUS Dive Club los Richtung Pulau Aur. Pulau Aur ist eine Insel vor der Ostküste Malaysias, also erst mal mit dem Bus nach Johor Baru, Grenzkontrolle, dann weiter mit dem Bus die Ostküste hoch nach Mersing und von dort aus dann mit der „Fähre“ noch ca. 4 Stunden Bootsfahrt nach Pulau Aur. Anführungszeichen deshalb, weil wir aufgrund der Größe der Gruppe (ca 30 Leute) aufgeteilt wurden und ich nicht auf der offiziellen, großen aircon-Fähre gelandet bin sondern zusammen mit 10 anderen auf einem Fischerbötchen. Das hat zwar auf offener See ganz schön ordentlich geschaukelt, war aber eigentlich total klasse. Es gab sogar eine Art Kabine mit ein paar Matratzen, mit der Wahlmöglichkeit Fenster zu und gefühlte 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit oder Fenster auf und gelegentlicher Erfrischung wenn mal wieder eine hohe Welle kam. Aber ein bisschen Schlaf hab ich während der Bootsfahrt doch bekommen, und der Blick in einen unglaublichen Sternenhimmel hat die Wachphasen zwischendurch mehr als entschädigt. Da in Mersing bei Abfahrt gerade Ebbe war und Atlantic Bay Resort auf Pulau Aur, wo wir das Wochenende über geblieben sind, nur einen Sandstrand und kein Steg hat, mussten wir sowohl bei der Abfahrt als auch bei der Ankunft per Nussschale zu bzw. vom Boot gebracht werden. Und das um 4 Uhr morgens mit dem ganzen Gepäck und Taucherausrüstung war schon ein Erlebnis. Schließlich am Atlantic Bay Resort angekommen (3 Hütten am Strand, Zielgruppe Taucher. Es gab noch nicht mal einen Weg ins Inland der Insel), gabs noch ein paar Stunden Schlaf bevor es dann um 8 Uhr losging mit den Vorbereitungen für den ersten Tauchgang.



Insgesamt gabs an dem Wochenende vier Tauchgänge, drei am Samstag und einen am Sonntag. Das selbe Boot, das uns in der Nacht zur Insel gebracht hatte, diente meiner Gruppe (sechs Studenten (alles exchange students ;-) + Instructor + Assistent) als Transportmöglichkeit zu den „Divesites“ und als Aufenthaltsort zwischen den Tauchgängen. Nach einer Weile kennt man dann alle lose Bretter und niedrigen Türrahmen ;-).



Und auch diesmal ging's nur per Nussschale zum und vom Boot.



Die ersten drei Tauchgänge (~ 6m) waren richtig super. Für den Anfang hatte unser Instructor, Awin, unter Wasser knapp über dem Boden ein Seil gespannt an dem wir uns festhalten konnten, denn es ist gar nicht so einfach kontrolliert an der gleichen Stelle zu bleiben – vor allem auf der gleichen Höhe. Unser erster „Divesite“ (sorry ich weiß das deutsche Wort nicht…) hatte deswegen auch zumindest Teilweise Sandboden, damit man sich unten hinknien kann ohne sich oder das Korallenriff zu verletzen. Später hatten wir’s dann soweit raus das wir knapp über dem Boden schweben konnten. Jeder Tauchgang begann damit dass wir einige Techniken, wie Wasser aus der Taucherbrille entfernen, Atemgerät ausspucken und wiederfinden, Atemgerät eines Mittauchers benutzen, etc. demonstrieren mussten.



Danach war meistens noch Zeit relativ frei noch etwas die Umgebung zu erkunden und jede Menge interessantes Unterwassergetier zu sehen. Auch während ich wartete, während der Rest meiner Gruppe die Techniken dem Instructor vorführten, hatte ich viel Zeit mich etwas umzuschauen und die Fische zu bewundern. Diese kamen richtig nah, knapperten teilweise etwas an meinen Beinen oder waren bloß neugierig und wollten mal schauen was da seltsames im Wasser gelandet war. Einige werden auch von den Luftblasen angelockt, die man ausatmet. Und es waren nicht dies beige-grauen Fische die man typischerweise in deutschen Seen findet, sondern so richtig bunte Fisch in allen Farben und Formen. Einige sehr ähnlich zu den Fischen aus „Findet Nemo“. Ganz toll sind auch „Christmas Corrals“, nur wenige Zentimeter groß, wachsen auf den Korallenriffen und sehen aus wie Miniaturweihnachtsbäume in allen Farben (orange, blau, violett..). Wenn man sie mit dem Finger berührt verschwinden sie in Sekundenbruchteile zurück in ihre Höhle im Riff. Und außerdem ist es natürlich einfach toll schwerelos im Wasser zu schweben .

Zwischen zwei Tauchgängen haben wir an Bord unseres Bootes einen toten fliegenden Fisch entdeckt, der sich bei einem Sprung wohl etwas verkalkuliert hatte und auf dem Deck gelandet war. Nachdem wir den Fisch zurück ins Wasser geworfen hatten, tauchte innerhalb von Sekundenbruchteilen ein „Pipefish“ (Leo übersetzt mit „Seenadel“, auf alle Fälle ein ca 50cm langer, röhrenförmiger Fisch mit einem ziemlich fies aussehendem Maul) auf, der sich diese Mahlzeit nicht entgehen lassen wollte. Und wenn wir gerade nicht mit solchen Spielereien oder de Auf- und Abbauen unserer Ausrüstung beschäftigt waren, so war es richtig schön auf Deck in der Sonne zu sitzen und den Blick auf das Meer und die umliegenden, größtenteils unbewohnten Inseln zu genießen.



Der letzte Tauchgang (6 Uhr aufstehehn…) am Sonntag war auch sehr interessant, wenn auch anders als erwartet. Unser Instructor hatte uns versprochen uns zu einem „Divesite“ für Fortgeschrittene zu bringen, und hatte uns jede Menge vorgeschwärmt von den richtig großen Fischen die es da zu sehen gäbe. Als wir den Platz erreichten war die See dort recht unruhig, aber Awin meinte unter Wasser würden wir davon nichts mehr merken. Das Bötchen schaukelte ordentlich (mindestens +/- 30 Grad), die einzige Möglichkeit ins Wasser zu kommen war bei diesen Bedingungen die Rückwärtsrolle und einmal im Wasser musste man ordentlich gegen die Strömung kämpfen um nicht abgetrieben zu werden bis alle im Wasser waren. Aber wie gesagt, unter Wasser sollten wir davon eigentlich nichts mehr merken. Schließlich gings dann runter auf 17 m, wobei ich das nur anhand von meinem Barometer feststellen konnte nachdem es keinerlei Referenzpunkte gab, der Boden war von oben nicht zu sehen und die Entfernung zur Oberfläche ist unglaublich schwer einzuschätzen. Beim Runtergehen hatte ich ziemliche Probleme mit meinen Ohren, irgendwie wollte der Druckausgleich nicht so recht funktionieren und auf 17m ist auch alles etwas schwieriger als im Pool. Hier kann man nämlich wenn was ist nicht einfach hochschwimmen – dazu ist der Stickstoffgehalt im Blut wegen dem Außendruck zu groß. Schließlich waren wir aber alle unten und sahen – Wasser. Schemenhaft konnte ich unter mir etwas Dunkles erkennen was vermutlich der Meeresboden war aber der war noch ein gutes Stück weg (und 18m ist das absolute Limit für Anfänger). Wir schwammen noch ein bisschen herum auf der Suche nach dem Riff und den ganzen tollen Fischen, aber da war nur Wasser. War aber auch mal eine Erfahrung, solche Wassermassen um sich rum und die Oberfläche so weit weg und nur das Barometer als Orientierungshilfe. Ansonsten ist es nämlich quasi unmöglich festzustellen ob man sich gerade nach oben oder unten bewegt. Als wir schließlich wieder die Oberfläch erreichten war die Einstiegsstelle kaum noch sichtbar, so weit waren wir abgetrieben! Kein Wunder das da auf 17 m nichts war, wir waren mitten im offenen Meer viel zu weit weg vom Boot um hinschwimmen zu können. Aber dazu hat man dann so eine tolle, unglaublich laute Tröte (das hat meinen Ohren dann endgültig den Rest gegeben) mit dem man dem Boot signalisiert dass man abgeholt werden möchte. Ein interessanter Tauchgang also, aber sehr anders als erwartet.



Die restliche Zeit bis wir wieder in Singapur waren habe ich hauptsächlich mit schlafen zugebracht. Das stark schwankende Boot auf dem Rückweg zum Resort hat meinen Magen zum rebellieren gebracht, hinzu kamen immer noch etwas Schmerzen in den Ohren und ein Sonnenbrand (den ich mir Unterwasser trotz wasserfester 30ger Sonnencreme zugezogen hatte). Insgesamt also Grund genug um erst mal auf Pulau Aur noch die zwei Stunden bis zur Abfahrt zu schlafen, dann auf dem Boot zurück nach Mersing zu schlafen und auf dem Bus sowieso. Als wir Sonntag Abend in Singapur ankamen, war ich dann wieder fit und meine Ohren sind inzwischen auch wieder ok . Bloß der Boden könnte mal bitte aufhören zu schwanken…



P.S: Die Unterwasserbilder sind ausnahmsweise mal nicht von mir, ein paar Leute vom Dive Club hatten Unterwassercameras dabei.

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