Malacca (oder Melaka auf englisch) – im 14. Jhd. die bedeutendste (und wohlhabendste) Handelsstadt der Region, Hauptstadt des Umlandes und Namensgeber für die Meeresstraße zwischen dem heutigen Malaysia und Sumatra. Melaka hatte ein hochentwickeltes politisches System (und Steuersystem) dass den sicheren und geregelten Ablauf des Handels sicherstellte und war die erste Region Südostasiens, die sich eine Verfassung gab. Wohlbekannt in China, Indien und Europa. So bekannt das die Stadt in den darauffolgenden Jahrhunderten nacheinander von den Portugiesen, Holländern und schließlich den Engländern besetzt wurde. Zwischenzeitlich, während des zweiten Weltkrieges, auch von den Japanern. Seit 1957 ist Malaysia unabhängig, doch Jahrhunderte der Fremdherrschaft haben das Land, und vor allem Melaka geprägt. Sowohl positiv als auch negativ. Heute ist Melaka eine Kleinstadt im Schatten der großen Nachbarn wie Kuala Lumpur und Singapur, die immer noch vom Glanz lang vergangener Zeiten zehrt, das historische Viertel und zahlreiche Museum locken Touristen an, die der Stadt bitter nötige Devisen bringen. Es ist eine Stadt die Ruhe, Freundlichkeit und Gemütlichkeit ausstrahlt und die mir sehr gut gefallen hat – aber vom einstigem Reichtum und der damaligen Bedeutung kann keine Rede mehr sein.
Vergangenen Freitagvormittag starteten Richard (ein Kiwi) und ich nach Melaka (der Rest war in letzter Sekunde abgesprungen, einige andere kamen später nach), erst mit dem Bus nach Johor Baru, dort durch die Grenzkontrolle und dann mit einem Langstreckenbus nach Melaka. Nach etwa drei Stunden Fahrt durch Palmenplantagen (ich weiß inzwischen dass sie der Palmen-Öl-Gewinnung dienen) erreichten wir die historische Stadt. Eine Freundin hier in Singapur, die vor ein paar Wochen in Melaka war hatte uns einen Tipp für ein tolles Hostel gegeben und tatsächlich bekamen wir dort die letzten beiden freien Betten für das Wochenende. Und das Hostel war wirklich genial (und das es auch noch billig war brauche ich inzwischen ja kaum mehr zu erwähnen).
Die Zimmer waren in ein- bis zweistöckige Hütten untergebracht, dazwischen befand sich ein Innenhof. Bananenstauden warfen ihren Schatten über Sitzgruppen aus Korbstühlen, ein kleiner Steg ragte in einen Teich in dem unglaublich viele Fische schwammen und irgendwo zwischendrin war eine Hängematte gespannt. Um zu unserer Hütte zu kommen mussten wir einen Torbogen durchqueren – auf Trittsteinen durch einen Fluss. Zwischen farbenfrohen tropischen Pflanzen saß meist irgendwo Playboy, ein schwarz-weißer Hase der sich regelmäßig Massageeinheiten von den Bewohnern abholte.
Ein Teil dieser Gemeinschaftszone war überdacht (aber nicht weniger begrünt) und bot weitere Sitzmöglichkeiten wie zum Beispiel den BarbecueTisch – nach dem Rad und der Gabel vielleicht die beste Erfindung die ein Mensch je gemacht hat (und übrigens dort selbsterdacht und gebaut): Tagsüber erscheint der BarbecueTisch wie ein gewöhnlicher, hübscher Steintisch mit teilweiser Holzverkleidung, doch nachts verschwindet die Verkleidung und es erscheint eine Feuerstelle und ein eingebauter Holzgrill . An der Wand neben dem BarbecueTisch befindet sich neben Frühstückszubehör (z.B. Kaja – leckerer Brotaufstrich aus Kokusmilch, etwas Nutella-ähnlich und Vegimite – nicht so lecker, erinnert an Oxo) eine stattliche Sammlung an Büchern, darunter auch viele Reiseführer aus der Region. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Dschungelduschen untergebracht – das Wasser kommt zwar aus einem herkömmlichen Duschkopf aber ansonsten erinnern diese stark begrünten, geräumigen Zellen kaum an normale Duschräume. Der Fußboden besteht aus einem großen, flachen Felsen, umgeben von kleineren Steinen zwischen denen das Wasser abfließt. An den Wänden wachsen tropische Pflanzen, die Handtuchhalter und Kleiderständer bilden. Von schräg oben strahlt die Sonne herein und zaubert früh morgens einen Regenbogen aus dem Duschstrahl. Hier duscht man selbst mit kaltem Wasser lange. Und das alles (Zimmer, Garten, Duschen, BBQTisch…) befindet sich auf einem Grundstück das keine 10m breit ist!
Die Kontaktdaten von diesem Traumhaus:
Emily's Traveller House
71 Jalan Parameswara
Bandar Hilir, Malaka 75000
Tel: 012 301 8574
Die ganze Anlage hat nur einen Nachteil: Sie ist einfach so toll dass man arg dazu verleitet ist einfach das ganze Wochenende im Hostel zu verbringen anstatt die Stadt zu besichtigen ;-). Trotzdem haben wir uns am Freitag abend nochmal auf den Weg gemacht und das historische Viertel, Little India und den Nachtmarkt von Chinatown erkundet. Letzterer war wirklich beeindruckend – deutlich größer als in Tanjung Pinang und Kuala Lumpur. Neben unzähligen Foodstalls (bin ja sonst kein Fischfan – aber da gabs einen Stand der hat unglaublich leckere Dinge aus Seafood gezaubert) gab es unendlich viele kleine Läden die traditionelle chinesiche Waren, Obst, Touristenkitsch, Budastatuen und allerlei Krimskrams verkauften. Auf dem Rückweg kamen wir am ältesten chinesischen Tempel Malaysias vorbei. Zwar waren die Besuchszeiten schon vorbei, aber durch die offenen Türen konnten wir von der Straße aus beobachten, wie die Gemeindemitglieder in einer singenden Prozession, Räucherstäbchen schwenkend durch die Tempelgebäude wanderten. Schließlich wanderten wir noch runter ans Meer. Zwar hat Melaka heute weder Hafen noch Strand, aber zum Bierchen trinken mit toller Aussicht war’s sehr gut geeignet.
Insgesamt ist Melaka deutlich gemütlicher und gelassener als die knapp 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Kuala Lumpur. Busse fahren nicht nach Fahrplan sondern wenn sie voll sind und sind ein Erlebnis für sich. Von KL’s motorisiertem Verkehrsaufkommen ist diese Stadt bisher verschont geblieben, dafür findet man umso mehr Tricycles. Diese sind liebevoll bis überladen dekoriert und oft tönen aus angebauten Radios malaysische oder amerikanische Lieder. Als „Westerner“ wird man meist gleich auf Englisch angesprochen das in der Bevölkerung sehr weit verbreitet ist. Aber Melaka ist keinesfalls eine Schlafstadt, natürlich schwirren auch hier die Rufe der Straßenverkäufe durch die Gassen und ohne Handeln geht gar nichts. Die Gebäude im historischen Viertel sind schon restauriert, ansonsten sieht aber der Großsteil der Stadt (wie in KL) schon so aus als könnte er neuen Putz und frische Farbe mal vertragen. Einige Hütten wirken schon stark einsturzgefärdet, wenn sie es nicht sogar schon sind. Zwar findet man nicht den Kontrast zwischen Petronas Towers und beinahe-Slums wie in KL, aber man sieht schon deutlich wohin das Geld der Tourismusindustrie fließt und wohin nicht.
Samstagmorgen beim Frühstück trafen wir noch einige weitere NUS’ler (der Tipp mit dem Hostel hatte sich rumgesprochen) und verbrachten dann die restlichen zwei Tage damit weitere Teile von Melaka und Umgebung kennenzulernen. Unter anderem das „Maritim Museum“ und das „Memorial of Independance“, beides kleine Museen. Beide vermittelten einen guten Eindruck über Melakas lange Geschichte von Hochs und Tiefs bis zum heutigen Tag. In meinen Augen vielleicht etwas subjektiv, aber wann ist Geschichte nicht subjektiv? Auf alle Fälle haben diese Museumsbesuche einiges zum Verständnis der Stadt und der Bewohner beigetragen und lieferten interessanten Stoff für die abendliche Diskussion…
Auch Melakas Umland ist durchaus einen Besuch wert. Mit dem Ziel eine tropische Fruchtfarm zu besuchen und ganz viel neues Obst kennenzulernen, unternahmen wir eine interessante, etwa 40minütige Busfahrt durch malaysische Dörfer. Viel Obst haben wir dann zwar nicht gesehen, die Fruchtfarm sah aus als wäre sie schon vor einigen Jahren mehr oder weniger sich selbst überlassen worden, aber dafür trafen wir in dem Dorf einen malayischen Physiker, der in Christchurch (Neuseeland) studiert hatte und heute einen kleinen Laden mit Outdoor/Armee-Utensilien betreibt. Gut möglich dass wir die einzigen Besucher an dem Tag in dem Laden waren (und haben noch nicht mal was gekauft). Aber der Mann war recht erfreut darüber mal wieder sein English auszupacken, insesondere da Richard ja aus Neuseeland kommt. Am Ende, als wir schon längst weitergegangen waren, tauchte er plötzlich nochmal aus der Menge auf und schenkte uns Aufstecker von der nahegelegen Kaserne. Sehr interessanter Mensch, aber das ist nicht mein Berufsziel aus Physiker…
Ein weiteres Highlight dieses Wochenendes war das Grillen am Samstag abend im Hostel – der BBQTisch in Aktion. Das Essen war absolut gigantisch. Es dauerte etwa von 7 pm bis weit nach Mitternacht und es gab gebratenen Reis mit Gemüße, stingray (Leo sagt Stachelrochen zu deutsch), Riesen-Shrimps, Hühnchen und Satay (Fleißspießchen mit Chili-Erdnuss-Sauce), dazu frischen Ananassaft (nebst Bier und Rum-Cola). Insgesamt befanden sich an dem Abend etwa 20 Gäste im Hostel und natürlich waren alle zum BBQ da. Hauptsächlich Europäer und Amerikaner und es gab unglaublich viele Reiseberichte zu hören. Auf die Frage „So how long have you been travelling around South-East-Asia?” kam durchaus öfter mal die Antwort “Hmmm…dunno. What month do we have….?....September? – Then it’s about a year know.” Da gab’s natürlich dann auch entsprechend viel zu erzählen und Reisetipps zu vergeben. Das zweite große Thema startete dann bei malayischer Geschichte, ging durch die komplette Weltpolitik des letzen Jahrhunderts und endete dann um drei Uhr morgens bei Zweitstimmen in deutschen Wahlen und amerikanischem Schulsystem. Es war äußerst interessant herauszufinden, wie verschieden die Sichtweisen sind, die in den verschiedenen Ländern in der Schule und auch später vermittelt werden.
Der Rückweg nach Singapur hatte noch eine kleine Komplikation, die sich dann aber als tolle Gelegenheit herausstellte im Angebot. An der Grenze gab unser Bus den Geist auf, aber statt in einer riesigen Menschentraube auf dem nächsten zu warten, beschlossen wir stattdessen den Causeway (Brücke nach Singapur) per Fuß zu überqueren. Das ist zwar ein ganzen Stück zu laufen, immerhin ist das ja kein Fluss zwischen Singapur und Malaysia sondern offenes Meer aber gerade während wir an der langen Autoschlange vorbeiliefen, ging gerade hinter uns über Malaysia die Sonne unter – toller Anblick. Wir waren auch nicht die einzigen mit dieser Idee, eine ganze Schlange am Menschen wanderte über diese Brücke, mit Mopeds die teilweise einfach durch die Menschenmenge kurvten um sich den Stau zu sparen. Schon ein bisschen wie wenn man im Fernsehen Bilder von einer Grenzöffnung sieht ;-)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen